Unfallschwerpunkt Schwörzweg – zwei schwere Verkehrsunfälle in zwei Jahren

Es ist inzwischen der zweite schwere Verkehrsunfall im Schwörzweg innerhalb der letzten zwei Jahre. Doch keine Sorge: Verletzt wurde dabei niemand. Denn bei beiden Unfällen handelte es sich um Übungen der Feuerwehr. 

Vielleicht erinnern Sie sich noch an unsere Hauptübung im Jahr 2022. Damals fand an der Einfahrt zum Schwörzweg, sowie auf dem benachbarten Werkstattgelände eine große Einsatzübung statt. Ein Kleinbus war bei der Einfahrt in den Schwörzweg auf die Seite gekippt, drei Personen waren im Fahrzeug eingeschlossen. Ein entgegenkommender Pkw kollidierte mit dem Kleinbus, wobei weitere drei Personen schwer verletzt und eingeklemmt wurden. Ein drittes Fahrzeug – ein Elektroauto – wich dem Unfall aus, durchbrach ein Mäuerchen und kam in einer Werkstatteinfahrt zum Stehen. Die Zuschauer konnten damals hautnah erleben, wie ein Verkehrsunfall von der Feuerwehr abgearbeitet wird, wie Fahrzeuge fachgerecht mit hydraulischem Rettungsgerät geöffnet werden und welche Technik dabei zum Einsatz kommt. 

“Der Schwörzweg eignet sich hervorragend als Übungsort. Die Straße ist breit, gleichzeitig jedoch nur wenig befahren. Dadurch werden Verkehrsteilnehmer kaum beeinträchtigt und die Einsatzkräfte können sicher arbeiten” - berichtet der stellvertretende Kommandant Andreas Pfeiffer. 

Am vergangenen Dienstagabend übten wir jedoch ohne Zuschauer. Um 19:04 Uhr – zur regulären Übungszeit – lautete die Alarmmeldung: „Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen im Schwörzweg.“ Die Übung wurde von zwei Kameraden vorbereitet, die während des gesamten Einsatzes als Beobachter fungierten, um im Anschluss eine ausführliche Nachbesprechung durchführen zu können.

„Es ist wichtig auch besondere Szenarien zu üben, denn im Einsatzfall können diese auch vorkommen“, berichtet Manuel Maier, ein Mitorganisator der Übung. 

Ein Radlader wollte aus einer Hofeinfahrt auf die Straße fahren und übersah dabei einen vorbeifahrenden Elektro-Pkw mit zwei Insassen. Die Gabelzinken bohrten sich durch die Seitenscheibe auf der Fahrerseite und klemmten Fahrer und Beifahrer im Fahrzeug ein. Durch den Zusammenstoß erschrak der Fahrer eines entgegenkommenden Pkw. Er riss das Lenkrad herum, woraufhin sich sein Fahrzeug überschlug, auf dem Dach zum Liegen kam und im Motorraum Feuer fing. Als wäre das nicht schon genug, befand sich im Elektrofahrzeug zusätzlich eine Acetylen-Gasflasche. Acetylen ist ein hochentzündliches Gas, das bereits bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen gefährlich werden kann.  

Genau dieses Lagebild bot sich dem Einsatzleiter, der wie bei einem realen Einsatz zunächst mit dem Mehrzweckfahrzeug anrückte. Kurz darauf folgte das erste Löschfahrzeug. Da von dem brennenden Pkw eine unmittelbare Gefahr ausging, hatte dessen Brandbekämpfung zunächst oberste Priorität. Anschließend begann die Rettung der eingeklemmten Personen. Da der Pkw auf dem Dach lag, war eine patientenschonende Rettung nur eingeschränkt möglich. Deshalb entschieden sich die Einsatzkräfte, die Heckklappe sowie die Rücksitze zu entfernen, um die verletzte Person mithilfe eines Rettungsbretts – des sogenannten Spineboards – aus dem Fahrzeug zu retten. Bereits nach sieben Minuten war der erste Patient befreit – ein sehr guter Wert. 

Das zweite Löschfahrzeug traf, wie auch im realen Einsatz, wenige Minuten später an der Einsatzstelle ein und übernahm den aufgespießten Elektro-Pkw. Um die Gefahr für die Einsatzkräfte zu minimieren, entnahm ein Trupp unter Atemschutz zunächst die Acetylen-Gasflasche und kühlte diese dauerhaft, um eine Explosion zu verhindern. 

Anschließend begann die technische Rettung der beiden eingeschlossenen Insassen. Auch diese gestaltete sich aufgrund der ungewöhnlichen Unfallsituation als anspruchsvoll. Während der gesamten Rettungsmaßnahmen überwachte ein Angriffstrupp unter Atemschutz die Temperatur des Hochvoltakku mithilfe einer Wärmebildkamera. Wie bereits in früheren Berichten erwähnt, kann sich ein beschädigter Akku zeitverzögert stark erhitzen und einen nur schwer zu löschenden Brand verursachen.  

Zeitgleich betreute ein weiterer Trupp den unverletzten, jedoch unter Schock stehenden Fahrer des Radladers. Er wurde aus dem Baufahrzeug begleitet und außerhalb des eigentlichen Einsatzgeschehens betreut. Menschen unter Schock reagieren häufig unvorhersehbar und benötigen deshalb besondere Aufmerksamkeit. Zusätzlich setze ein Trupp den Radlader vollständig außer Betrieb, um unbeabsichtigte Bewegungen der Gabelzinken auszuschließen. 

Diese Einsatzübung forderte alle Feuerwehrangehörigen gleichermaßen. Nachdem sämtliche Patienten gerettet waren, gab es eine kurze Manöverkritik. Anschließend erhielten die neue Feuerwehrmitglieder unter Anleitung erfahrener Kameraden die Möglichkeit, selbst mit Schere und Spreizer an den beiden Unfallfahrzeugen zu arbeiten und erste praktische Erfahrungen mit dem hydraulischen Rettungsgerät zu sammeln. Pünktlich mit Beginn des Regenschauers waren alle Gerätschaften wieder im Löschfahrzeug verstaut und die Straße besenrein verlassen.