Feuerwehr Oberkochen rettet in luftiger Höhe
Wenn Menschen in großer Höhe oder in tiefen Schächten in Not geraten, müssen Spezialkräfte ran. Klassische Feuerwehrgeräte und Standardausbildungen stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Daher hat die Feuerwehr Oberkochen seit Mai 2022 eine ERHT-Gruppe, um den steigenden Anforderungen im Rettungswesen gewachsen zu sein. Neben regelmäßigen Übungen fand vor Kurzem eine großangelegte Einsatzübung an mehreren Orten in Oberkochen statt.
Was macht die ERHT-Gruppe?
ERHT steht für „Einfaches Retten aus Höhen und Tiefen“. Die speziell ausgebildeten Feuerwehrangehörigen können Rettungen in Höhen und Tiefen bis zu 30 Metern durchführen. Die zwölfköpfige Gruppe kommt immer dann zum Einsatz, wenn ein Drehleiterfahrzeug die Einsatzstelle aufgrund von unwegsamem Gelände nicht erreichen kann.
Was wurde geübt?
Am vergangenen Samstag fand eine große Übung an mehreren Standorten in Oberkochen statt. Wie bei jeder Übung stand zunächst die theoretische Auffrischung auf dem Programm. Am Vormittag beschäftigte sich das Team mit den Einsatzgrundlagen der Absturzsicherung auf Basis der Unterlagen der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg. Bereits erlerntes Wissen wurde aufgefrischt und das gemeinsame Vorgehen abgestimmt.
Anschließend folgte der erste Praxisteil – noch nicht in der Höhe, sondern in der Fahrzeughalle. Ausgerüstet mit Einsatzuniform und speziellem Helm wurde der praktische Umgang mit Material und Sicherheitsregeln geübt. Zudem machte sich das Team mit einer Neuanschaffung vertraut: der Tragenspinne.
Die Tragenspinne ist kein Tier
Patienten werden aus Höhen und Tiefer meist mit einer sogenannten Korbtrage gerettet. Sie hat eine robuste Bauweise und Kufen an der Unterseite. Im Innen befindet sich eine stoßdämpfende Matte, und die Person kann mittels integrierter Gurte sicher fixiert werden. Ein ideales Rettungsgerät. Die Tragenspinne dient dazu unsere Korbtrage mit dem Rettungsseil schnell und sicher zu verbinden. Außerdem ermöglicht sie, die Trage mit wenigen Handgriffen in verschiedene Positionen zu bringen. So kann die Korbtrage optimal eingestellt werden, um eine verletzte Person sicher und schonend zu transportieren.
Endlich ging es in luftige Höhen
Nach der Mittagspause ging es hoch hinaus. Erstes Einsatzobjekt war die Kletterwand am Ernst-Abbe-Gymnasium. Nachdem Vorgehen und Anschlagspunkte festgelegt waren, folgte der Vorstieg an der Wand. Dabei arbeitet sich der Retter in Bereiche vor, die mit einem Hubrettungsfahrzeug nicht erreichbar sind. Ausgestattet mit Auffanggurt und Sicherungsmaterial muss diese grundlegende Tätigkeit sowohl an Kletterwänden als auch an Leitern regelmäßig geübt werden.
Nach dieser Gewöhnungsübung ging es zu einem zweiten Einsatzszenario über: ein Bauunfall am katholischen Kirchturm in der „Neuen Mitte“, der derzeit eingerüstet ist. Eine etwa 80 kg schwere Übungspuppe sollte aus rund 23 Metern – ungefähr auf Höhe der Uhrzeiger – gerettet werden.
Wie üblich begann alles mit dem Standardvorgehen, dem Vorstieg. Der Retter stieg bis in die elfte Ebene des Gerüsts vor und brachte dort ein Sicherungsseil für die nachfolgenden Kräfte an. Die Nachfolger sparen somit Zeit und Kraft. Gemeinsam wurde dann ein Seilzug für die Korbtrage am Gerüst angebracht.
Die zu rettende Person steht immer im Mittelpunkt
Während der gesamten Rettung kümmern sich die Helfer um den Verletzten: Sie beobachten Veränderungen, leisten Erste Hilfe und erklären jeden Schritt.
Die Sicherheit der Person hat oberste Priorität. Anders als in Fernsehsendungen wie „Der Bergdoktor“ oder „Medicopter 117“ wird die Person in Realität doppelt gesichert.
- Fabian Leopold, Gründer der ERHT-Gruppe
In diesem Fall wird der Verletzte zunächst in eine Rettungswindel gesetzt und anschließend in der Trage fixiert. Gut gesichert wurde die Puppe schließlich sicher zu Boden gebracht und dort an den fiktiven Rettungsdienst übergeben.
Spaß darf auch dabei sein
Wenn man schon einmal so weit oben ist, darf ein gemeinsames Selfie nicht fehlen. Und auch das Eis nach dem „Einsatz“ war wohlverdient. Man darf nicht vergessen: Alle Beteiligten leisten diese Arbeit freiwillig und ehrenamtlich in ihrer Freizeit oder neben ihrem Beruf.
Wenn Du mit uns auch hochhinaus möchtest, dann mach gerne bei uns mit.
