Quelle: Schwäbische Post vom 11.08.2007
Die Welt in dem Dörfchen Oberwälden bei Göppingen ist aus den Fugen geraten. Fast die gesamte Feuerwehr will kündigen. Sie kämpft erbittert um ihr Magazin.
VON JOA SCHMID
GÖPPINGEN Der Streit erinnert an den Widerstand des gallischen Asterix-Dorfes: Die 460-Seelen-Gemeinde Oberwälden im Landkreis Göppingen kämpft zwar nicht gegen die Römer, dafür aber gegen ihre Hauptgemeinde Wangen. Ein ganzer Löschzug will kündigen, weil der Gemeinderat entschieden hat, das marode, 200 Jahre alte Feuerwehrmagazin abzureißen und die Oberwäldener Wehr in die Wangener Feuerwehr einzugliedern. Dabei, so reklamieren die Oberwäldener, hätten sie das Magazin doch selbst wieder auf Vordermann gebracht. Es ist für sie ein Stück Heimat geworden. Die spinnen, die Bürgervertreter, sagten sich die Feuerwehrkameraden und warfen ihrem Schultes in der entscheidenden Gemeinderatssitzung Uniform samt Mütze vor die Füße - mitten im Sitzungssaal. Zwar gehören die Oberwäldener seit 36 Jahren zu Wangen, aber so ein Diktat geht ihnen gegen den Strich. Von 23 Aktiven wollen 21 den Bettel hinschmeißen.
Jetzt lodert in Oberwälden ein Feuer, das auch die stärksten Wasserrohre nicht löschen können. Auf einem Transparent am Ortseingang werden die "Nein-Sager" des Gemeinderats angeprangert. In der Lokalzeitung tobt eine Leserbriefschlacht. "Welchen Stellenwert hat hier noch der einzelne Feuerwehrmann, der im Ernstfall sogar sein Leben riskiert?", schimpft einer der Autoren. Einen hohen, meint der Wangener Schultes Werner Stöckle, vom Widerstand der Feuerwehrleute überrascht, und versucht die erzürnte Löschtruppe zu überzeugen. Kreisbrandmeister Michael Reick steht ihm zur Seite und preist mit Engelszungen die einsatztaktischen Vorteile einer gemeinsamen Wehr.
Alles Schall und Rauch. Auf dem traditionellen Oberwäldener Feuerwehrfest entflammt der Protest gegen die Wangener Besatzungsmacht. Feuerwehrleute mit schwarzen Totenkopf-Armbinden tragen "5 656 000 freiwillige Arbeitsstunden" zu Grabe und bescheinigen ihrem Kreisbrandmeister "die Erfindung des Ehrenamts-Stopps". Ein Happy End ist nicht in Sicht. Per Kleinanzeige sagt die Oberwäldener Feuerwehr zum Abschied leise Servus: "Oberwälden sucht neue Hauptgemeinde", heißt es. Um Antwort unter Chiffre wird gebeten.
© Schwäbische Post 11.8.2007
