Südwesten versinkt im Schnee

Schnee und Frost machen Autofahrern und Fußgängern das Leben schwer

Baden-Württemberg bibbert. Schnee und Frost machen Autofahrern und Fußgängern das Leben schwer. Es gibt aber auch die frohe Botschaft: Nicht nur im Schwarzwald sind Ski und Rodel gut. Das Wochenende lockt mit Wintersport.

 

Stuttgart (dpa/lsw) - Rund 600 Unfälle, fast 2,5 Millionen Euro Sachschaden und 65 Verletzte - das ist die Bilanz des Wintertiefs „Petra“ für Baden-Württemberg. „Glücklichweise hatten wir keinen Toten“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitagnachmittag in Stuttgart. Der Deutsche Wetterdienst kündigte auch fürs Wochenende Frost und Glätte an.

 

Starke Schneefälle behinderten am Freitag den Verkehr im Südwesten massiv. Selbst Räumfahrzeuge kamen mancherorts nicht mehr durch, so etwa im Ortenaukreis. Liegengebliebene Lastwagen blockierten viele Straßen und sorgten für Staus. An den Flughäfen kam es zu Verspätungen, in Stuttgart wurden 20 Flüge gestrichen.

 

In Furtwangen im Schwarzwald-Baar-Kreis blieben mehrere Schulen geschlossen. Einige Schulen seien von den Schulbussen nicht mehr erreichbar gewesen, sagte ein Sprecher des Schulamtes. Nach Angaben des Kultusministeriums entscheiden die Schulleiter vor Ort, ob schneefrei ist.

 

Auf der Autobahn 5 südlich von Karlsruhe kam es zu einem Unfall mit vier Lastwagen und einem Auto. Die Fahrbahn Richtung Süden musste am Morgen mehrere Stunden lang voll gesperrt werden. Alle Lastwagenfahrer wurden leicht verletzt, der Autofahrer kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Der Schaden lag bei rund 100.000 Euro.

 

Bei Radolfzell (Kreis Konstanz) stießen ein Kleinlaster und ein Auto zusammen. Sieben Menschen wurden schwer verletzt. Die Bundesstraße 34 blieb für mehrere Stunden voll gesperrt.

 

Im Schwarzwald verhängte die Straßenmeisterei auf einigen Strecken für Lastwagen eine Schneekettenpflicht. „Trotz der Warnungen waren viele Lastwagenfahrer mit Sommerreifen unterwegs. Diese Erfahrung machen wir jeden Winter“, sagte ein Polizeisprecher in Titisee-Neustadt. Auch Pkw seien trotz der Winterreifenpflicht nicht immer richtig ausgerüstet.

 

Auf der Autobahn 8 am Albaufstieg gerieten drei Lastwagen ins Rutschen und blockierten die Fahrbahn für eine knappe halbe Stunde komplett. Die vom Verkehrsministerium vorgesehene Blockabfertigung der Lastwagen kam noch nicht zum Einsatz. „Das war heute noch nicht erforderlich“, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

 

Wegen der starken Schneefälle haben die französischen Behörden die Autobahnen für Lastwagen über 7,5 Tonnen gesperrt. Vor den Grenzübergängen nach Frankreich bildeten sich in Baden-Württemberg lange Staus. Auf der Autobahn 5 bei Neuenburg (Kreis Breisgau- Hochschwarzwald) standen die Sattelzüge auf mehreren Kilometern. Teilweise mussten die Fahrer seit 23.00 Uhr auf dem Standstreifen ausharren.

 

Am Flughafen Stuttgart musste die Start- und Landebahn mehrfach kurzzeitig gesperrt werden, damit die Räumdienste die Flächen von Eis und Schnee befreien konnten. Etwa die Hälfte aller Flüge am Morgen war verspätet, teilweise um bis zu 90 Minuten. Auch am Flughafen Friedrichshafen kam es zu Verspätungen; die Verbindung nach Frankfurt/Main fiel ganz aus. Am Baden-Airpark in Rheinmünster hatten vereinzelt Flüge Verspätung.

 

In Konstanz hat die Stadt eine Mehrzweckhalle wegen Schnee sperren lassen. „Durch die Schneelast auf dem Dach kann eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden“, teilte das Rathaus mit. Für das Wochenende geplante Veranstaltungen fallen aus. Wegen der starken Schneefälle konnte die Bergbahn in Heidelberg am Vormittag nicht fahren.

 

Glimpflich lief der Unfall eines voll besetzten Schulbusses bei Mögglingen (Ostalbkreis) ab: Beim Ausweichen auf den Seitenstreifen rutsche das Fahrzeug in den Straßengraben und legte sich schief. Die etwa 60 Schüler gelangten in einem Ersatzfahrzeug zum Unterricht.

 

In den Notfallambulanzen herrschte Hochbetrieb. Mediziner mussten Knochenbrüche und andere durch Stürze verursachte Verletzungen behandeln. „Es war aber nicht ganz so schlimm wie an den ersten Wintertagen“, sagte ein Sprecher der Uniklinik in Freiburg. „Die Menschen haben sich dieses Jahr bereits an Eis und Schnee gewöhnt und sind entsprechend vorsichtig.“

 

Auch viele Tiere leiden unter den anhaltend kalten Temperaturen und der Schneedecke. Greifvögel und vor allem Schleiereulen könnten im Schnee keine Mäuse als Nahrung finden und drohten daher zu verhungern, teilte der Naturschutzbund Baden-Württemberg mit.

 

Das Winterwetter macht dem Stuttgarter Autobauer Daimler anders als dem Konkurrenten Ford in Köln bislang nicht zu schaffen. Es gebe keine Lieferengpässe. „In der Pkw-Produktion läuft derzeit alles normal“, sagte ein Unternehmenssprecher.

 

Quelle: Pressemitteilung Innenministerium