Giftstoff-Einsatz: Versicherung will nur die Reinigung bezahlen

Giftstoff-Einsatz der Feuerwehr macht Einsatzkleidung und Atemschutzgerät unbrauchbar

Die Merklinger Feuerwehr hat Ärger mit der Versicherung: Im Einsatz kamen Kleidung und Atemschutz mit Gift in Kontakt. Die neue Kleidung bezahlte jetzt die Gemeinde, damit die Feuerwehr ausrücken kann.

 

Auf der A 8 gerät ein Lastzug in Brand. Um 20.54 Uhr am 15. Dezember wird die Feuerwehr Merklingen (Alb-Donau-Kreis) alarmiert, sie rückt mit allen Fahrzeugen aus, Unterstützung kommt aus allen umliegenden Gemeinden. 33 Fahrzeuge sind im Einsatz. Am Lastwagen weist eine orangefarbene Tafel auf Gefahrgut hin. 'Der Fahrer wusste aber nicht, was er befördert. Die Ladepapiere waren verbrannt', erinnert sich Feuerwehrkommandant Manfred Weberruß. 'Über die Spedition konnten wir herausfinden, dass auf dem Hauptfahrzeug einige Fässer Kaliumhydroxid waren.'

 

Weil das Führerhaus Feuer gefangen hatte, war die Mannschaft aber bereits am Löschen. 'Durch die Hitze schmolzen die Plastikbehälter, die Lauge floss überall herum. Der Druck des Löschwassers hat sie richtig aufgewirbelt', sagt der Kommandant. Später wurde noch ein Packzettel gefunden, der über den Inhalt Aufschluss gab. 'Ich kann bei einem solchen Brand nicht auf die Daten warten. Es muss gelöscht werden. Die ersten Männer gehen immer ein Risiko ein', fügt Kommandant Weberruß hinzu. Vier Feuerwehrleute leiden nach dem Einsatz unter Verätzungen an Händen und im Gesicht.

 

Nun aber geht es um den Ersatz der Einsatzkleidung und die technischen Hilfsmittel wie zum Beispiel Atemschutzmasken, die mit den Giftstoffen in Kontakt kamen. ''Angeblich kann die Lauge herausgewaschen werden, aber keine Reinigung gibt die Garantie, dass die Jacke nicht beschädigt ist und die Atemschutzgeräte absolut in Ordnung sind', sagt Weberruß. Man stelle sich das am Beispiel von Batteriesäure vor, die nicht gleich ein Loch in der Kleidung zeige, sondern erst beim dritten Waschen. Das könne auch bei den Jacken der Fall sein und bei den Atemschutzgeräten, die nach dem Reinigen plötzlich Beschädigungen aufweisen. 'Was ist, wenn einer meiner Männer Giftstoffe einatmet, es braucht nur ein Ventil locker zu sein, und daran stirbt?' Ein Risiko, das Weberruß zu hoch ist.

 

Der Gemeinde Merklingen habe die Versicherung der in Österreich ansässigen Spedition zugesichert, für den Schaden aufzukommen. 'Es ging nur darum, ob er Neuwert oder der Zeitwert des Materials erstattet wird', sagt Bürgermeister Sven Kneipp. Die Gemeinde hat deshalb neue Einsatzkleidung bestellt, die laut Kommandant erst zu 60 Prozent geliefert wurde. Bis die Sachen da waren, wurde von der Altersabteilung Einsatzbekleidung ausgeliehen. 'Andere sind sogar in Jeans zum Einsatz. Aber die durften nicht bis zur Brandstelle, sondern haben ihren Dienst hinter der Feuerstelle und nicht im Gefahrenbereich leisten müssen. Auch da werden Leute gebraucht', sagt Weberruß.

 

Jetzt will die Versicherung nur die Reinigung zahlen. 'Ein Sachverständiger ist der Meinung, dies sei ausreichend', bestätigt Kneipp. Die Gemeinde will jetzt ein Schreiben vorlegen, in dem bestätigt wird, dass die Kleidung nicht mehr einsatzfähig ist. Das aber bescheinigt niemand. Bis jetzt. 'Wir müssen uns deswegen auch mit der Bestellung der neun Atemschutzgeräte zurückhalten, sonst sitzen wir auf weiteren 20 000 Euro', sagt Kneipp. Mit vier Atemschutzgeräten aus Ulm behelfe man sich, neue Kleidung sei bestellt und mit rund 10 000 Euro bezahlt. Nun ist ein Gegengutachten in Auftrag gegeben.

 

Die Einsatzzeiten aller am Brand beteiligten Feuerwehrmänner der Region wurden von der Versicherung bereits gezahlt. Auch die Stadt Laichingen hat nach dem Einsatz neue Feuerwehrkleidung beschaffen müssen. Sie fordert ebenfalls Geld von der Versicherung.

 

© <link http: www.schwaebische-post.de ueberregional suedwest>Schwäbische Post, 24.03.2010