Eine Reihe richtig schwerer Verkehrsunfälle im Ostalbkreis gibt zu denken

Meist überschätzt sich der Mensch

Elf Verkehrstote im Ostalbkreis in den ersten vier Monaten des Jahres: ein trauriger Rekord. Gefahr Nummer eins ist für Bernhard Kohn, Pressesprecher der Polizeidirektion Aalen, die Selbstüberschätzung. Sie war bei den meisten dieser schweren Unfälle der Auslöser.

 

Von Kuno Staudenmaier

 

Ostalbkreis. „Nicht irgendwelche Straßen sind gefährlich, es ist immer der Mensch“, sagt Kohn. Selbstüberschätzung komme wirklich häufig in den ersten Führerscheinjahren ins Spiel. Sie begleitet aber alle Altersklassen. Hauptfehler für Kohn: Autofahrer passen ihr Tempo nicht dem Streckenverlauf an. Vermutlich war das schon der Auslöser für den ersten folgenschweren Unfall in diesem Jahr. In den frühen Morgenstunden des 1. Januar kam ein mit jungen Leuten besetzter Wagen bei Oberkochen aufs wohl gefrorene Bankett, das Auto schleudert in den Gegenverkehr. Drei junge Menschen sind tot.

 

Häufig überschätzten junge Leute auch die Technik ihres Autos. Meist haben sie nach Erfahrung der Polizei etwas betagtere Fahrzeuge. Kohn: „Da kann schon mal der Stoßdämpfer abgenutzt sein, was in Kurven zum Problem wird.“ Solche Autos fliegen früher von der Bahn als moderne Neuwagen. Deshalb sollte man, so Kohn, „das Tempo auch der Technik anpassen“.

 

Was passiert, wenn Autofahrer Verkehrsregeln nicht beachten, erlebte man am 28. Februar bei Hüttlingen auf der B29. Im Überholverbot zieht ein Autofahrer an mehreren Wagen vorbei, gerät beim Einscheren ins Schleudern und prallt auf ein entgegenkommendes Auto. Dort sterben zwei Menschen, die unschuldig sind. Die meisten tödlichen Unfälle 2010 passierten auf Bundesstraßen, „eigentlich nicht ganz typisch, viel häufiger kennen wir tödliche Unfälle auf abseits gelegenen Landstraßen. Meist sind die Fahrer allein beteiligt und prallen gegen Hindernisse, Bäume, Pfeiler.“

 

„Pure Unvernunft“, sagt Kohn, wenn Autofahrer eine durchgezogene Linie oder ein Überholverbot ignorieren. Trotzdem werde das immer wieder getan - oft mit fatalen Folgen. Das zeigt auch ein Blick auf die Statistik aus dem Jahr 2009, wie die Grafik verdeutlicht.

 

Quelle und ©: <link http: www.schwaebische-post.de service archiv>Schwäbische Post, 11.05.2010