Digitalfunk in Stuttgart gestartet

Neue Übertragungstechnik rückt in greifbare Nähe

„Auf diesen Moment habe ich mich schon lange gefreut, weil ich weiß, wie wichtig der Digitalfunk für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste ist.“ Das sagte Innenminister Heribert Rech am Mittwoch, 20. Juni 2007, beim offiziellen Start der neuen Funktechnik in der Landeshauptstadt und grüßte Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble in einer Liveschaltung in Berlin. Erfreulich sei, dass Baden-Württemberg mit der Referenzplattform und fünf Basisstationen vorne mit dabei sei und für das bundesweite Projekt Schrittmacherfunktion übernommen habe.

 

Das Land habe sich von Anfang an beim Digitalfunk stark engagiert. „Es war mir immer wichtig, dass Bund und Länder das Projekt gemeinsam schultern und dadurch ein einheitliches Netz mit gemeinsamen Standards bekommen“, betonte Rech. Die ersten Tests hätten in Berlin und Stuttgart stattgefunden, erste Erfahrungen mit der neuen Funktechnik und den erforderlichen Maßnahmen beim Aufbau des digitalen Netzes habe man schon sammeln können. In den vergangenen Wochen sei mit Hochdruck daran gearbeitet worden, um am heutigen Tag ein funktionsfähiges Digitalfunknetz im Innenstadtbereich von Stuttgart in Betrieb zu nehmen. „Ab sofort können wir Praxistests durchführen und weitere Erfahrungen mit der neuen Technik sammeln, von denen der Bund und die anderen Länder profitieren werden. Ich bin davon überzeugt, dass es uns gelingen wird, mit diesen Tests wichtige Erkenntnisse für die flächendeckende Einführung des Digitalfunks in Deutschland zu liefern“, sagte Rech.

 

Der heutige Start markiere jedoch nur den ersten praktischen Schritt zum Aufbau des Digitalfunks. Noch in diesem Jahr werde mit dem ersten Netzabschnitt in der Landeshauptstadt Stuttgart begonnen und nach und nach das Funknetz flächendeckend im Land aufgebaut. Ziel sei es, dies mit einem finanziellen und technischen Kraftakt bis Ende des Jahres 2010 zu realisieren. Rech: „Mit der Referenzplattform ist der Grundstein für das Gesamtnetz gelegt. Ich wünsche unserem gemeinsamen Projekt ein gutes Gelingen.“

 

Zusatzinformationen:

Referenzplattform. Sie ist die technische und praktische Grundlage für die Errichtung des Gesamtnetzes und wird am heutigen Mittwoch an den Standorten Berlin, Bonn, Hamburg, Lüneburg und Stuttgart in Betrieb genommen. In Stuttgart wurden fünf Basisstationen errichtet, mit denen der Bereich der Stuttgarter Innenstadt bis über das Gottlieb-Daimler-Stadion hinaus versorgt werden kann. Die Basisstationen werden nach Abschluss des Testbetriebs am 31. Dezember 2007 in den Echtbetrieb überführt.

 

Netzaufbau. Baden-Württemberg gehört neben Berlin, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg zu den Starterländern. Es ist davon auszugehen, dass das Digitalfunknetz in Baden-Württemberg innerhalb von vier Jahren errichtet werden kann. Dabei wird in den Regierungsbezirken schrittweise der Betrieb aufgenommen. Der Netzaufbau beginnt in der Landeshauptstadt Stuttgart, danach folgen die Regierungsbezirke Stuttgart, Tübingen, Karlsruhe und Freiburg.

 

Vorteile des Digitalfunks. Der Digitalfunk hat eine wesentlich bessere Sprach- und Empfangsqualität. Störgeräusche wie im Analogfunk, beispielsweise „Rauschen“ und auch die heute bestehenden „Funklöcher“, gehören der Vergangenheit an. Die Verschlüsselung der Funkgespräche gewährleistet die Abhörsicherheit. Das neue Funknetz bietet auch die Möglichkeit der Datenübermittlung, zum Beispiel Kurznachrichten oder Abfrageergebnisse aus polizeilichen Dateien. Die Geräte haben auch eine Notruftaste zur Eigensicherung der Einsatzkräfte.

 

Grenzüberschreitende Kommunikation. Die meisten europäischen Staaten setzen TETRA-Technik ein, Frankreich und die Schweiz verwenden Tetrapol. Nach dem Aufbau des Digitalfunknetzes ist ein weiterer Schritt vorgesehen, die sogenannte Interoperabilität der Digitalfunknetze durch eine gemeinsame technische Schnittstelle zu gewährleisten. Bis dahin erfolgt die grenzüberschreitende Kommunikation durch Zusammenschaltung von Funkkreisen über die örtlich zuständigen Leitstellen.

 

Kosten. Bis zum Jahr 2021 sind in Baden-Württemberg rund 400 Millionen Euro für den Digitalfunk eingeplant. Davon sind 360 Millionen Euro für den Aufbau und Betrieb des Netzes und 40 Millionen Euro für die Beschaffung der Funkgeräte und die Umrüstung der Leitstellen vorgesehen.

 

Fortbildung. Die Nutzer des neuen Digitalfunks werden zielgruppenorientiert fortgebildet. Baden-Württemberg entwickelt dazu unter anderem ein elektronisches Lernprogramm, um Endgerätenutzern die erforderlichen Kenntnisse zu vermitteln, die dem Bund und auch den anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden. Spezialschulungen erhalten Mitarbeiter in Führungs- und Lagezentren und in den technischen Arbeitsbereichen.

 

Quelle: Pressemitteilung Innenministerium