Testlauf für virtuelle Übungen bei der Jugendfeuerwehr Oberkochen


Wie viele Branchen, sind auch öffentliche Einrichtungen, wie die Feuerwehr, von den Corona-Lockdowns betroffen. Vor allem die Mitglieder der Jugendfeuerwehr vermissen die Übungen mit den Geräten vor Ort. Um zumindest etwas Feuerwehrausbildung zu ermöglichen, wurde nun ein Testlauf für virtuelle Ausbildungen gestartet.

 

Seit März, mit kurzer Ausnahme im September, dürfen die Angehörigen der Jugendfeuerwehren nicht mehr physisch zusammenkommen, um zu üben. Für viele ist das ein großer Einschnitt. Obwohl sich Befürchtungen, einige Jugendliche zu verlieren, bisher in Oberkochen zum Glück nicht bewahrheiten, wird es Zeit, wieder Übungen zu ermöglichen. Während manche Schulen digitale Unterrichte einrichten, sind virtuelle Feuerwehr-Übungen mit einigem größeren Mehraufwand verbunden. Dass dies jedoch nicht unmöglich ist, zeigt ein Beispiel aus der Feuerwehr Karlsruhe, Abteilung Hagsfeld. Bereits seit März werden dort virtuelle Übungen abgehalten. Die Erkenntnisse von dort schwappten nun nach Oberkochen, da ein Mitglied der Feuerwehr Oberkochen gleichzeitig in der Jugendbetreuung in Hagsfeld tätig ist. Laut ihm müsse man sich klar werden, dass eine digitale Übung fundamental unterschiedlich sowohl für die Betreuer, als auch für die Jugendlichen ist. Die Schwierigkeiten lassen sich in drei Themenfelder einordnen: Vorbereitung, Übungsthemen und digitale Technik.

Die Vorarbeiten sind auch für physische Übungen wichtig. Passende Übungsobjekte müssen gefunden werden, welche Einsatzszenarien für jeden Wissensstand der Jugendlichen bieten. Die Jugendfeuerwehr Oberkochen nutzt hierzu meist den Bauhof der Stadt. Hier kann der Brandeinsatz und die technische Hilfeleistung realitätsnah geübt werden kann. All dies ist in einer virtuellen Übung nicht möglich. Hier muss als Ersatz mit viel Bild und Videomaterial gearbeitet werden. Dieses findet man allerdings nicht bei Youtube. Vielmehr muss man auf Schulungsmaterial aus der Ausbildung der aktiven Feuerwehr zurückgreifen.

Um das Interesse der Jugendlichen zu wecken und zu halten, sind die Übungsthemen ein weiterer wichtiger Punkt. Hier zeigt sich jedoch der größte Einschnitt. Nicht jedes Thema bietet sich an, um virtuell bearbeitet werden zu können. Den Aufbau eines Löschangriffs im Video anzusehen, ist für die Jugendlichen langweilig. So etwas muss einfach physisch geübt werden, um die wichtige Routine zu bekommen. Andere Themen bieten sich jedoch an, um digital vermittelt zu werden. So kann in einem Funkspiel über den Sprachchat jede/r Jugendliche ein Einsatzfahrzeug mit Funkrufnummer darstellen und mit der Leitstelle „funken“. Diese vergibt dann verschiedene Einsätze von „Katze auf Baum“, bis zum „Wohnungsbrand“ an Teilnehmer. Über den Videochat wird ein Bild des Einsatzes eingeblendet und die Jugendlichen müssen dann Rückmeldungen an die Leitstelle „funken“. Zudem können wöchentliche Feuerwehr-Quizze als Wettbewerb die Motivation der Jugendlichen hochhalten. Vom einfachen Kreuzworträtzel mit Feuerwehrbegriffen, über Bilderrätsel mit Nahaufnahmen von Feuerwehrgeräten, bis zum „Hier fehlt doch etwas“-Spiel, bei dem ein Bild eines Geräteraums gezeigt wird, in dem ein paar Geräte fehlen, gibt es viel Potential. Natürlich darf am Ende eines Monats nicht vergessen werden, die Gewinner digital zu küren.

Die tollsten Ideen bringen jedoch wenig, wenn die digitale Technik nicht funktioniert. Die Interaktion mit den Jugendlichen ist sehr wichtig. Da reicht eine einfache PowerPoint-Präsentation schon lange nicht mehr aus. Die Erwartungshaltungen der Floriansjünger sind dank immer neuer technischer Möglichkeiten, gestiegen. Es gibt sehr viele Anbieter von Videokonferenzsoftware. Im Grunde bieten alle ähnliche Funktionen. Die Feuerwehr Hagsfeld nutzt das kostenlose „Jitsi Meet“. Bei der Entscheidung standen zwei Gesichtspunkte im Vordergrund: 1. Datenschutz, da man den Server-Standort auswählen kann und 2. die Teilnahme per Internet-Browser, ohne etwas installieren zu müssen. Ein Vorteil, da nicht jeder Floriansjünger ein IT-Experte ist. Doch der entscheidende Punkt für eine erfolgreiche Online-Übung ist die Übertragungsqualität, welche zu einem großen Teil von der Upload-Bandbreite des Internetanschlusses abhängt. Pixelmatsch und Sprachaussetzer möchte keine/r der Jugendlichen hören und sehen.

 

All diese Erkenntnisse konnten am letzten Donnerstag in einem Probelauf für eine virtuelle Übung zum Thema „technische Hilfeleistung“ einfließen. Ein Laptop diente zur Übertragung eines Bildes der Gesamtsituation und zwei Smartphones wurden gezielt eingesetzt, um Details zeigen zu können. Die Jugendlichen konnten somit das Einsatzgeschehen aus drei verschiedenen Blickwinkeln gleichzeitig betrachten. Die Betreuer Niklas Kuban und Frank Ebbers stellten im Geräteaus ein paar Einsatzszenarien zusammen. So war beispielsweise eine Person unter einer Maschine eingeklemmt und musste mittels pneumatischer Hebekissen befreit werden. Es waren die Jugendlichen, die hier das Vorgehen bestimmen sollten. Gemeinsam wurde entschieden, welche Geräte zum Einsatz kommen und wie. An anderer Stelle musste das hydraulische Rettungsgerät (Schere und Spreizer) in Einsatz genommen werden. Jedoch zeigte sich, dass es oft schwierig, ist auf alle Anmerkungen und Fragen der Jugendlichen einzugehen. Denn die beiden Ausbilder mussten ihre Augen und Ohren sowohl auf das Einsatzgeschehen, als auch auf das Smartphone und Laptop richten. Da kam es schon vor, dass einige Jugendliche überhört wurden. Die überhörten Fragen beantworteten die Betreuer selbstverständlich im Nachgang.

 

Trotz der Mühen, die sich viele Jugendbetreuer machen, bleibt zu hoffen, dass diese Situation nicht mehr allzu lange anhält. Wichtige Faktoren bei der Jugendfeuerwehr wie Teamwork, Zusammenhalt und Freundschaft lassen sich im direkten Kontakt viel besser ausleben. Auch auf jährliche Highlights wie einen Berufsfeuerwehrtag oder Ausflüge fiebern die Jugendlichen schon hin. Trotz aller Schwierigkeiten ist es wichtig, die Jugendlichen weiterhin motiviert zu halten, dass die Corona-Krise 2020 nicht zu einer Nachwuchs-Krise 2025 wird. Die Jugendfeuerwehr ist und bleibt ein wichtiges Rückgrat der aktiven Mannschaft in Oberkochen.

 

Bilder


Bericht in der SchwäPo vom 5. Dezember