Von der Pflichtfeuerwehr zur starken Leistungsgemeinschaft


Feuerwehr 1929 wurde eine Freiwillige Feuerwehr in Oberkochen ins Leben gerufen. Warum sich die Floriansjünger jetzt auf ein neues Domizil freuen


Von Lothar Schell

 

 

Das Jahr 2024 wird ein Fixpunkt in der Geschichte der Feuerwehr, wenn das neue Blaulichtzentrum in Verbindung mit der Polizei und dem Roten Kreuz im Kapellenweg seiner Bestimmung übergeben wird. Just dort, wo auch heute noch das ehemalige Wagenblast-Gebäude steht, das die Stadt erworben hatte. Die Frage war, ob man das jetzige Feuerwehrgerätehaus in der Dreißentalstraße umfassend saniert wird oder ob man zu einem Neubau tendiert, in dem alle Blaulichtsegmente konzertiert untergebracht werden können. Sowohl der Technische Ausschuss des Gemeinderats als auch der Feuerwehrauschuss votierten für den Neubau im Kapellenweg, der zirka sieben Millionen Euro kosten soll. Entscheidend dafür war auch, dass das jetzige Feuerwehrgerätehaus den technischen und räumlichen Ansprüchen nicht mehr entspricht. Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Höhe des Gebäudes nicht ausreicht, um die modernen Feuerwehrfahrzeuge unterzubringen. Und ein neues soll demnächst seitens der Stadt ausgeschrieben werden.

Ein Blick in die bewegte Geschichte

Den Anfang machte die Pflichtfeuerwehr, die durch ein Dekret der württembergischen Landesfeuerlöschordnung anno 1885 auf den Weg gebracht wurde. Eine Wehr, die in der Folge nur schwerlich funktionierte, weil bei Übungen der Wehr regelmäßig ein Drittel der Männer unentschuldigt fehlte. Ein Missstand, gegen den sowohl der Feuerwehrkommandant wie auch der Bürgermeister machtlos waren. Was freiwillig ist, läuft besser. So wurde 1929 die Freiwillige Feuerwehr mit ihrem ersten Kommandanten Franz Grupp ins Leben gerufen. Die Gerätschaften im damals noch existierenden Gebäude des alten Rathauses waren überschaubar. Der Verkauf des alten Rathauses in den 1960er Jahren erforderte eine neue Lösung, die im ehemaligen Forstamtsgarten in der Dreißentalstraße gefunden wurde, wo 1970 eine Fahrzeughalle entstand. Bald schon erwiesen sich die Räume als zu klein, zumal auch das Deutsche Rote Kreuz im „kleinen Rettungszentrum“ untergebracht war. Die Mitglieder der beiden Organisationen packten couragiert an, in viel Eigenarbeit wurden die Räume renoviert und erweitert und zu einem modernen, leistungsfähigen Rettungszentrum ausgebaut. Die Kommandanten blickten nach vorn, 1991 wurde eine Jugendfeuerwehr ins Leben gerufen, die bis heute kontinuierlich und mit viel Akribie an die vielfältigen Aufgaben des Brandschutzes herangeführt wird. Ein Aushängeschild gesellschaftlicher Couleur ist seit über vierzig Jahren das Heidefest. Noch einmal wurde 2003 das Feuerwehrgerätehaus umgebaut. Oberkochen kann auf eine starke Wehr bauen, nicht zuletzt auch durch den Verbund mit der Werksfeuerwehr des Unternehmens Carl Zeiss, die im Bedarfsfall auch außerhalb der Werkstore für Einsätze parat steht. Jetzt freuen sich die Floriansjünger - auch wenn es noch einige Jahre hin sind – auf die Bündelung aller örtlichen Rettungs- und Einsatzorganisationen im geplanten „Blaulichtzentrum.“