07.03.2016 - Feuer unterm Dach bei den Floriansjüngern


Freiwillige Feuerwehr ist gespalten - Tohuwabohu bei den Neuwahlen

 

von Lothar Schell

Es kriselt schon seit einigen Jahren bei der Feuerwehr. Das wissen nicht nur Insider. Bei der Korpsversammlung in der TSV-Gaststätte in der Katzenbachstraße war die Missstimmung greifbar.

 

Die überbordenden Jahresberichte gerieten in den Hintergrund. Bei der Wahl zur Kommandantur trat der amtierende Vizekommandant Frank Oswald gegen den amtierenden Kommandanten Bernd Betzler an. Keine Überraschung angesichts der Hintergründe. Wie diese Zeitung aus gut informierten Kreisen erfuhr, wollte Oswald mehr Disziplin und Ordnung in die Florianstruppe bringen. Einige einer Feuerwehr nicht pässliche Disziplinlosigkeiten hatte es gegeben. Auch von mangelndem Führungsstil - so die Recherche dieser Zeitung - war die Rede. Bernd Betzler blieb bei der Wahl mit 21 Stimmen Kommandant, Frank Oswald erhielt 16 Stimmen.

 

So richtig interessant wurde es dann bei der Wahl zum stellvertretenden Kommandanten. Fabian Leopold und Frank Zitzer, der mit Frank Oswald liebäugelte, standen zur Wahl. Nachdem Bernd Betzler als Kommandant wiedergewählt war, zog Zitzer zurück, weil er nicht mit Betzler wollte. Leopold erhielt beim geheimen Wahlgang aber mit achtzehn Stimmen nicht die erforderliche absolute Mehrheit. Im zweiten Wahlgang wurde Fabian Leopold mit neunzehn Stimmen zum Vize-Kommandanten gewählt bei dreizehn ungültigen Stimmen. Leopold kann bis dato keine Gruppen- oder Zugführer-Ausbildung vorweisen. Für Bürgermeister und Wahlleiter Peter Traub keine einfache Geschichte, für die gesamte Stadt nicht, denn das Vertrauen in die Freiwillige Feuerwehr steht auf dem Spiel. Nach der Sitzung gab es dann auch schon ein Gespräch zwischen Bürgermeister und dem Kommandanten mit dem Tenor, dass endlich wieder Ruhe einkehren und entstandene Risse baldmöglichst gekittet werden müssten. Die Recherche der Schwäpo ergab, dass einige Floriansjünger ihren Dienst quittieren oder sich beurlauben lassen wollen.

 

Tiefstand beim Übungsbesuch

Dreißig Einsätze habe es im letzten Jahr gegeben, im Vergleich zu den letzten drei Jahren fünfzehn Prozent weniger, so Bernd Betzler in seinem Jahresbericht. Bei allen Einsätzen sei die Hilfsfrist eingehalten worden. Die aktive Wehr zählt aktuell 43 Mitglieder mit einem Altersdurchschnitt von 32 Jahren. Die Tagesverfügbarkeit bei Einsätzen mit Vollalarm lag 2015 bei neunzehn Feuerwehrleuten. "Wir können zufrieden sein mit der hohen Ausbildung und Einsatzbereitschaft, aber der Übungsbesuch lag deutlich unter den Durchschnittswerten der letzten Jahre", so Betzler. Bei der Jugendfeuerwehr sei der Minustrend unter neuer Leitung gestoppt und inzwischen deutlich erhöht worden. Auch bei der aktiven Wehr müsse nun verstärkt auf Mitgliederwerbung gesetzt werden. Vorbeugender Brandschutz genieße hohen Stellenwert bei der Oberkochener Wehr, erklärte der Kommandant. Voraussichtlich 2017 werde auf digitale Alarmierung umgestellt. Digitale Funkmeldeempfänger müsse man für alle Einsatzkräfte anschaffen. In diesem Jahr würden nach Absprache mit der Stadtverwaltung auch die notwendigsten Instandhaltungsmaßnahmen im Feuerwehrgerätehaus durchgeführt. Höhepunkt im gesellschaftlichen Bereich sei das 43. Heidefest gewesen. Ein weiterer Höhepunkt, so Betzler, war die Verleihung des Ehrenamtspreis der SPD an die Jugendfeuerwehr.

 

Oswald: "Macht Euch Gedanken, wo der Zug hinfährt"

Der stellvertretende Kommandant Frank Oswald redete in seinem Rück- und Ausblick Tacheles. Der Übungsbesuch, aktuell bei 54 Prozent, befinde sich im Sinkflug. Dies müsse nachdenklich stimmen "und nicht nur bei mir macht sich Enttäuschung breit", so Oswald. Noch könne die Feuerwehr vor Ort von einer guten Ausbildung und Qualität sprechen. "Macht Euch Gedanken, wo der Zug hinfährt", erklärte der stellvertretende Kommandant, der anschließend im Detail den Übungsbetrieb Revue passieren ließ. Er ermunterte dazu, Kritik offen anzusprechen "und nicht hinten rum." Den Bericht der Jugendabteilung erstattete Stefan Leopold, für die Altersabteilung berichtete Sepp Merz in Vertretung von Willy Schönherr. Die Altersabteilung habe mit großer Resonanz an den Übungen und am Gesamtgeschehen der aktiven Wehr teilgenommen. Von sparsamer Bewirtschaftung sprach Schatzmeister Rudolf Vöhringer, 2015 wurde ein Überschuss von über 5700 Euro erzielt. Die von Bürgermeister Peter Traub beantragte Entlastung wurde einstimmig erteilt.

 

Beförderungen und Ehrungen

Steffen Breitweg und Matthias Neukamm wurden zum Hauptfeuerwehrmann befördert. Für 25 Jahre Feuerwehr-Zugehörigkeit im aktiven Dienst wurden Bernd Betzler 2, Andreas Pfeiffer, Martin Poltsch und Markus Schuhbauer geehrt. Willi Schönherr und Paul Weber wurden in die Altersgruppe verabschiedet.

 

Betzler: "Probleme schon vor meiner Amtszeit"

Im Gespräch mit dem wiedergewählten Kommandanten nach der Korpsversammlung betonte Betzler, dass es schon vor seiner Amtszeit (2011) Probleme gegeben habe. "Ich habe die Aufarbeitung in Angriff genommen und werde weiter forciert daran arbeiten", blickte er in die Zukunft. Nicht außen vor ließ Betzler, dass er zwölf Jahre Stellvertreter und fünf Jahre Kommandant gewesen sei und er bei vier von fünf Wahlen immer denselben Gegenkandidaten gehabt habe.

 

© Schwäbische Post, Lothar Schell, 07.03.2016