21.07.2014 - Räumungsübung am Ernst-Abbe-Gymnasium


Schulleitung und Feuerwehr führen Übung mit Schwerpunkt Evakuierung durch

 

„Achtung Durchsage: Bitte Schulhaus verlassen!“ – mit dieser strikten Anweisung sahen sich Schüler und Lehrer am Morgen des 11. Juli 2014 konfrontiert. Der Grund: Eine unangekündigte Räumungsübung der Schulleitung des Ernst-Abbe-Gymnasiums (EAG) mit Unterstützung der Feuerwehr Oberkochen.

 

Um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, bereitet die Schulleitung des Ernst-Abbe-Gymnasiums mit Unterstützung der Feuerwehr jedes Jahr eine Einsatz- bzw. Räumungsübung vor. Ziel ist es, die Schüler und Lehrer auf einen Notfall vorzubereiten. Zudem gibt die Brandschutzordnung vor, dass pro Schuljahr mindestens eine dieser Übungen an Schulen vollzogen werden müssen. Der Schulleiter des Ernst-Abbe-Gymnasiums, Ulrich Wörner, ist sich der Wichtigkeit solcher Übungen bewusst und bezieht daher die Feuerwehr in die Planung mit ein. So können nicht nur realistischere Szenarien durchgespielt werden, sondern von Seiten der Feuerwehr auch direktes Feedback gegeben werden.

 

In den Jahren zuvor wurde ein leeres Klassenzimmer im zweiten Obergeschoss der Schule mit Hilfe einer Nebelmaschine verraucht. Eingeweihte Schüler sollten den Unterricht unter einem Vorwand verlassen und sich kurz vor dem Alarm in dem verrauchen Klassenzimmer verstecken. Die Lehrer sollten bei der Evakuierung angeben können, welche und wie viele Schüler vermisst sind und wo sich diese vermutlich aufhalten. Diese Informationen sind für die Feuerwehr von größter Bedeutung. Ein großes Gebäude wie das Gymnasium zu durchsuchen würde sehr lange dauern und sehr viel Manpower benötigen. Daher sind detaillierte Informationen der Schulleitung von hoher Priorität. Nicht zu vergessen ist auch, dass genaue Aussagen über vermisste Personen in einem öffentlichen Gebäude schwer getroffen werden können. Schüler können sich nach dem Unterricht noch in den Räumen aufhalten oder vom Sportunterricht schneller zurück sein als der Rest der Klasse. Auch die Mitarbeiter und Lehrer sind eine Variable. All diese Informationen wurden bei den bisherigen Übungen gut kommuniziert, sodass die anrückende Feuerwehr schnell einen Einsatz beginnen konnte. Mit einem Löschfahrzeug und zwei Atemschutztrupps wurde das verrauchte Klassenzimmer durchsucht und die Schüler gerettet. Soweit der kurze Rückblick auf die vergangenen Jahre.

 

Da kein Einsatz wie jeder andere verläuft, wurde das Szenario in diesem Jahr geändert. Es stand die richtig durchgeführte Evakuierung durch Lehrer und Schulleitung im Vordergrund. Angenommen wurde ein Mülleimerbrand im Eingangsbereich der Schule. Dazu wurde der Haupteingang verrauscht und zusätzlich mittels spezieller Brandpaste ein Feuer simuliert. Diese Brandpaste kommt bei pyrotechnischen Vorführungen zum Einsatz und ist für Mensch und Tier ungefährlich. Zudem produziert diese keinen Rauch, welcher das Gebäude und die Einrichtung beschädigen könnte – also ideale Eigenschaften für die Nutzung in einer Schule. Für die Geräusche eines echten Feuers sorgte eine Soundanlage.

 

Um 8:50 Uhr löste Schulleiter Wörner manuell Alarm aus. Da sich im Eingangsbereich keine Rauchmelder befinden, kam es nicht zu einer automatischen Auslösung. Als die ersten Schüler die Treppe zum Haupteingang erreichten, war der Rauch schon teilweise bis in den ersten Stock vorgedrungen. Nun sollten die Lehrer und Schüler auf keinen Fall durch den Rauch gehen sondern einen alternativen Rettungsweg finden. Im Ernstfall reichen schon zwei Atemzüge im Brandrauch um bewusstlos zu werden. Auch ein kleiner Mülleimerbrand kann zu einem großen Feuer und einer großen Rauchentwicklung führen. Kommandant Betzler und zwei weitere Feuerwehrmänner beobachten den Weg, welchen Schüler und Lehrer nehmen und deren Reaktion. Viele Klassen brachten sich vorbildlich durch die Nebenausgänge in Sicherheit. Die Realitätsnähe der Übung zeigte sich an der Reaktion einer 5. Klasse, welche tatsächlich von einem echten Feuer ausging. Lediglich eine Klasse ging durch den Brandrauch direkt am Feuer vorbei. Im Ernstfall hätte dies tödliche Konsequenzen.

 

Bei der abschließenden Manöverkritik betonte Kommandant Betzler nochmals die Gefährlichkeit des Brandrauches. Die Rettung einer kompletten Klasse (ca. 30 Personen) bedeutet für Feuerwehr und Rettungsdienst einen sehr großen logistischen Aufwand. Ein Löschfahrzeug ist mit zwei Atemschutztrupps besetzt, welche zur Rettung vorgehen könnten. Das bedeutet, dass in den ersten Minuten nur wenig Atemschutztrupps für die Schüler zur Verfügung stehen. Im Falle eines realen Brandes wird deshalb auch die Feuerwehr aus Aalen alarmiert. Diese würde mit einer Drehleiter, einem Gerätewagen-Atemschutz und weiteren Löschfahrzeugen die Oberkochener Feuerwehr unterstützen. Des Weiteren rückt das Deutsche Rote Kreuz mit mehrere Rettungswagen an. Zudem wird die Schnelleinsatzgruppe (SEG) des DRK alarmiert. Diese kann in relativ kurzer Zeit etwa 25 Personen medizinisch versorgen. Aber auch hierfür ist eine große Fläche für ein Zelt notwendig.

 

Alles in allem zog Betzler ein positives Fazit. Auf Grund des starken Regens wurde das Schulhaus schnell wieder freigegeben. Im Ernstfall würde die Schulleitung den Aufenthalt in die Turnhalle oberhalb des Schwimmbads verlegen. Zusammengefasst zahlt sich die jährliche Übung in jedem Fall aus und wird auch weiterhin ein fester Termin im Kalender des EAGs bleiben.