09.02.2011 - Winter verlässt die Wehr


von Lothar Schell | „Ich habe Bürgermeister Traub am 13. Januar persönlich und schriftlich darum gebeten, mich bei der Hauptversammlung am 18. März von der Aufgabe des Feuerwehrkommandanten zu entbinden“, sagt Erwin Winter dieser Zeitung. Das ist rund drei Jahre vor Ende seiner regulären Amtszeit.

 

Bürgermeister Peter Traub hat inzwischen schriftlich die Gemeinderäte von Winters Entscheidung unterrichtet. Traub sei „wie vom Blitz getroffen“, hätte Winter aber nicht umstimmen können, der 2009 für fünf Jahre wiedergewählt worden war. „Ich gehe ohne Groll, aber ein Grummeln in der Magengegend spüre ich schon“, sagt er und er setzt hinzu: „Ich habe ein Recht auf Freizeit und auf eine mir wichtige persönliche Beziehung, da war ich mitunter eben in Oberkochen nicht präsent und dies wurde mir angekreidet“, sagt er. Dies habe ihn getroffen, weil er es nicht selten über Dritte erfuhr.

 

„Die Wehr hat immer bestens funktioniert, schließlich verfügen wir über fünf Zugführer und zehn Gruppenführer mit hervorragender Kompetenz“, führt der Noch-Kommandant ins Feld. Auch bei einigen anderen Entscheidungen, als es zum Beispiel um die Beschaffung des neuen Logistik-Fahrzeugs ging, sei dies von Ausschussmitgliedern kritisch hinterfragt worden. „Ich freue mich auf die Altersgruppe und ich hinterlasse eine gut funktionierende und gut ausgebildete Truppe“, stellt der fast 57-Jährige fest, der in Oberkochen zu den Feuerwehr-Institutionen zählt. 1971 trat Erwin Winter in die Wehr ein. Die Initialzündung für ein Leben für die Floriansjünger hatte der heutige Ehrenkommandant Sepp Merz gegeben, der Winter durch die gesamte Feuerwehrkarriere eng begleitet hat.

 

„Sepp Merz und Emil Elmer waren meine Vorbilder und ihnen habe ich viel zu verdanken“, blickt Winter zurück. Winter war und ist immer noch einer, der mit Herzblut an seiner Feuerwehr hängt. Akribisch absolvierte er sämtliche Aus- und Fortbildungen an der Feuerwehrschule in Bruchsal. 1983 wurde er zum stellvertretenden Kommandanten und damit zum Vize von Sepp Merz gewählt. Insider in Oberkochen wissen, dass Erwin Winter einer war, der seinen Piepser nie abgeschaltet hat. Die Nähe zu den Menschen war ihm wichtig, der Dienst am Nächsten eine Verpflichtung und er war es, der 1991 den Anstoß für die Gründung der Jugendfeuerwehr gegeben hat. Binnen 40 Jahren sind über 600 Einsätze in seinem Logbuch bilanziert. „Ich werde nahtlos in die Altersgruppe überwechseln und das Geschehen der Wehr mit Interesse verfolgen“, blickt Winter in die für ihn nun ruhigere Feuerwehr-Zukunft.

 

Nun sei die Möglichkeit gegeben, frischen Wind in die Wehr zu bringen. Gegenüber Bürgermeister Traub hat er dies so ausgedrückt: „Es ist mir inzwischen bewusst, dass alles seine Zeit hat. Diese junge Feuerwehr braucht einen jüngeren Kommandanten.“ Am 18. März bei der Hauptversammlung wird es für Winter zum Abschied mit der Überreichung des Feuerwehrabzeichens in Gold für 40 Jahre aktive Dienstzeit eine hohe Ehrung geben.

 

© Schwäbische Post 10.02.2011