06.10.2011 - Gerätewagen-Transport der Feuerwehr Oberkochen


Ein Blick in die Arbeitsgruppe für Fahrzeugbeschaffungen

 

Bereits seit Mitte 2010 liefen die Planungen für den neuen Gerätewagen Transport (GW-T), der nach der Ausmusterung des LF 8 den Fuhrpark der Feuerwehr Oberkochen komplettiert. Ende Juni wurde das Fahrzeug an die Feuerwehr Oberkochen übergeben und verrichtet seitdem wertvolle Dienste. Eine Arbeitsgruppe hat sich im Vorfeld umfassend mit den technischen Details beschäftigt und in mehreren Sitzungen sowie einem Besuch der Feuerwehr-Messe „Interschutz“ in Leipzig die Anforderungen definiert und eine entsprechende Leistungsbeschreibung ausgearbeitet. Wir geben, auch für Feuerwehren, die über eine ähnliche Anschaffung nachdenken, einen kleinen Einblick in die Entscheidungsfindung.

 

Für Fahrzeuge dieser Art ist eine öffentliche Ausschreibung nach „Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen“ (VOL) vorgeschrieben. Im konkreten Fall wurde eine beschränkte Ausschreibung in drei Losen (Fahrgestell, Aufbau und Beladung) durchgeführt. Dieses Vorgehen räumte der Arbeitsgruppe die Möglichkeit ein, die in Frage kommenden Bieter selbst zu wählen.

 

Im Vorfeld wurden Überlegungen zu den verschiedenen Kombinationen aus Fahrgestell und Aufbau angestellt. Die Norm für einen GW-T gibt hierbei die Mindestanforderungen vor, enthält aber noch genügend Spielraum, um das Fahrzeug an eigene Bedürfnisse anzupassen. Beim Fahrgestell findet oft die Klasse M Verwendung, die ein Straßenfahrgestell mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mindestens 7,5 t definiert. Bei der Begutachtung von verschiedenen Vorführfahrzeugen lag zudem besonderes Augenmerk auf der Verarbeitung des Fahrgestells und der Kabine. Möglich laut Norm ist eine Einzel- oder Doppelkabine, ein fester Kofferaufbau oder eine Pritsche mit Plane.

 

In Zeiten des immer weiter steigenden CO2-Ausstoßes sowie strengeren Abgasnormen wurde auch ein besonderes Augenmerk auf die Abgastechnik gelegt. Hersteller MAN erfüllte zum Beschaffungszeitpunkt die aktuelle strengere Abgasnorm EURO 5 ohne Beimischung von AdBlue, einer Harnstoff-Lösung, die im Katalysator den Ausstoß von Stickoxiden verringert. Der Nachteil dieser wasserklaren Lösung ist, dass sie nur begrenzt haltbar ist und erst dann beigemischt wird, wenn der Motor bzw. die Abgase eine entsprechend hohe Temperatur erreicht haben. Bei einer normalen Einsatzfahrt von wenigen Minuten werden diese Temperaturen jedoch selten erreicht, was dazu führt, dass der AdBlue-Tank meist leer bleibt und entsprechende Warnungen des Bordcomputers ignoriert werden.

 

Nach der Sondierung des wirtschaftlichsten Angebotes, fiel die Wahl auf ein Fahrgestell vom Typ MAN TGL 8.220 mit einem maximalen Gesamtgewicht von 8,8 Tonnen und einer Leistung von 162 kW (220 PS). Vor dem Hintergrund, möglichst viele Kameraden mit dem Fahrzeug befördern zu können, fiel des Weiteren die Wahl auf eine Doppelkabine mit insgesamt sechs Sitzplätzen. Um das Gesamtgewicht des Fahrzeugs im Rahmen zu halten, wurde zudem ein Aufbau mit Pritsche und Plane realisiert. Rotationsketten sorgen dafür, dass das Fahrzeug auch bei schwierigen Straßenverhältnissen die Traktion behält und sicher den Einsatzort erreicht.

 

Bei der Auswahl des Aufbauherstellers fiel die Wahl auf die Firma Hensel Fahrzeugbau, die den Pritschenaufbau des Gerätewagens konstruierte. Sämtliche neu angebauten Beleuchtungs- und Signaleinrichtungen sind in aktueller LED-Technik ausgeführt, welche für optimale Sichtbarkeit bei minimalem Verschleiß sorgt. Eine Dautel-Ladebordwand sorgt für eine problemlose Beladung des Fahrzeugs. Die Funkanlage ist bereits für den kommenden Digitalfunk vorbereitet, wodurch spätere Kosten für eine Umrüstung minimiert werden können, da keine neuen Kabel verlegt werden müssen. Weitere durchdachte Details wie beispielsweise die Lagerung der Fahrzeugbatterien auf einem Auszug unterstützen das Wartungspersonal, optimal angebrachte Schalter für die Signalanlage erleichtern die Bedienung im Einsatzfall.

 

Um Ladung flexibel zu be- und entladen, kommen Rollcontainer zum Einsatz. Diese haben in der Regel das genormte Format von Euro-Paletten, was eine optimale Ladungssicherung und ein unkompliziertes Handling sicherstellt. Verlastet werden so unter anderem eine Tragkraftspritze mitsamt Zubehör, Stromerzeuger und Beleuchtungseinrichtungen, Schlauchmaterial für lange Strecken, Geräte für die technische Hilfeleistung, für Hochwassereinsätze und für die Einsatzstellenabsicherung. Realisiert wurden die Container vom Anbieter JERG Feuerwehr- und Umwelttechnik.

 

Der Gerätewagen-Transport komplettiert zukünftig den Fahrzeugpark der Feuerwehr Oberkochen. Gerade bei Einsätzen durch Wettergefahren und Umwelteinflüsse ist die Wache somit optimal ausgerüstet.