11.04.2011 - Neue Einsatzuniformen für die Feuerwehr Oberkochen


Ein Jahr mit „Schwarz-Gelb“

 

Die Beschaffung neuer Einsatzkleidung ist eine umfangreiche und rechercheintensive Aufgabe, mit der sich jede Feuerwehr irgendwann einmal beschäftigen dürfte. So auch die Feuerwehr Oberkochen, die bereits im Jahr 2008 mit der Suche nach geeigneten Uniformen begann. Der Entscheidung für neue Uniformen ging ein bedeutsamer Besuch einer Brandbekämpfungsanlage voraus, der unmissverständlich aufzeigte, warum es auch für kleinere Feuerwehren wichtig ist, in Sachen Schutzausrüstung auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein. Da gerade bei diesem Thema meist sehr kontrovers diskutiert wird und viele Standpunkte unter einen Hut gebracht werden müssen, möchte dieser Bericht lediglich die Wichtigkeit aktueller Schutzausrüstung sowie den Beschaffungsprozess und letztendlich die Vorteile für die Feuerwehr Oberkochen verdeutlichen.

 

Der besagte Besuch in einer Brandbekämpfungsanlage zeigte auf, dass die momentane Schutzausrüstung nur noch ungenügenden Schutz bei einem Brandeinsatz bietet. Der Feuerwehrmann wird bei direktem Kontakt mit den Flammen, beispielsweise bei einer Durchzündung in einem Gebäude, nur noch unzureichend geschützt. Daher entschloss sich die Feuerwehrführung zusammen mit dem Ausschuss, neue Uniformen zu beschaffen. Nach der Genehmigung des Haushaltsplans für das Jahr 2009 machte sich eine Arbeitsgruppe daran, einen Anforderungskatalog auszuarbeiten, der die Kriterien für die neuen Uniformen enthält. Nach einigen Abenden des Gedankenaustauschs, konnten die ersten Eckpunkte aufgelistet werden:

  • Zertifizierung der Einsatzkleidung nach EN 469:2005.
  • (Diese europäische Norm regelt die Beschaffenheit von Schutzkleidung für die Feuerwehr, insbesondere das Verhalten bei Brandeinsätzen z.B. Beaufschlagung des Materials mit Flammen bzw. thermischer Strahlung)
  • Bestmögliche Bewegungsfreiheit durch entsprechend genähten Schulterbereich
  • Guter Tragekomfort
  • Atmungsaktives Material
  • Jacke in kurzer Version, um beim Kriechgang nicht mit den Knien auf das Futter der Jacke zu geraten
  • Fest eingearbeitete Kniepolster, die nicht verrutschen können
  • Revisionsöffnungen zur einfachen Kontrolle bzw. Reparatur der Uniform
  • Dicht schließender Kragen an der Jacke
  • Zuverlässiger Nässeschutz, der Regen und Nässe über längere Zeit abhalten kann.

Nachdem die Anforderungen aufgestellt waren, konnte sich die Arbeitsgruppe auf die Suche nach geeigneten Herstellern machen. Dazu stellten sich einige Unternehmen im Feuerwehrhaus vor und präsentierten ihre Produkte immer mit der Prämisse, die Anforderungen erfüllen zu können. Nach der Vorstellung aller in Frage kommenden Produkte und der Abgabe der Angebote, wurde eine erste Vorauswahl getroffen. Zwei namhafte Firmen kamen hierbei in die engere Auswahl. Die beiden favorisierten Firmen überließen verschiedene Testmuster, um die Uniformen auf Herz und Nieren zu testen. Es folgten ein Tragetest und der Besuch einer Produktpräsentation direkt beim Hersteller.

 

Ein wirklich eindeutiger Favorit konnte nach Abschluss der Testphase nicht ermittelt werden, da die beiden Produkte in der Endauswahl beide ein sehr hohes Niveau besaßen. Die Wahl fiel am Ende auf die in Nordrhein-Westfalen ansässige Firma S-GARD.

 

Um Einsatzleiter, Zug- und Gruppenführer auch aus weiterer Entfernung einfacher unterscheiden zu können, wurden zudem verschiedene Ansätze bei der Farbmarkierung gewählt. Die Uniformen der Zugführer wurden mit einem rot abgesetzten Schulter- und Armbereich versehen, des Weiteren werden Kennzeichnungswesten in verschiedenen Farben verwendet:

  • Für den Einsatzleiter: Gelbe Kennzeichnungsweste (Kommandant und Stellvertreter)
  • Für den Zugführer: Grüne Kennzeichnungsweste
  • Für Gruppenführer oder Einheitsführer: Blaue Kennzeichnungsweste

Nach dem langen Beschaffungsprozess fanden die Uniformen zur Hauptversammlung 2010 den Weg in die Spinde der Feuerwehr Oberkochen. Die neue Uniform ersetzt die orangefarbene Einsatzkleidung vollständig. Mittlerweile ist rund ein Jahr vergangen und das Fazit fällt durchweg positiv aus. Vizekommandant Frank Oswald, der ebenfalls der Arbeitsgruppe angehörte, blickt zurück: „Die Beschaffung neuer Einsatzuniformen war eine notwendige Investition, die sich mittlerweile bei Einsätzen, Dienstabenden und Leistungsabzeichen bewährt hat.“ In naher Zukunft steht auch wieder ein Besuch in einer Brandbekämpfungsanlage an, dann mit neuer Uniform und dem sicheren Gefühl eines jeden einzelnen Teilnehmers, durch die "zweite Außenhaut" bestmöglich geschützt zu sein.