Mobile Endgeräte im Feuerwehrwesen


Was waren das früher für Zeiten, in denen Mobiltelefone einzig für das Telefonieren konzipiert wurden. Dem Gesprächspartner kurz und knapp seine Informationen zu übermitteln, war die Hauptaufgabe, für die die Geräte bestimmt waren. Heutzutage kaum mehr vorstellbar! Herkömmliche Mobiltelefone wurden in den letzten Jahren um immer mehr Funktionen erweitert, ebenso führt die allgegenwärtige Verfügbarkeit des Internets und das stetig steigende Informationsbedürfnis der Gesellschaft zwangsläufig zu einer Verlagerung von Nutzungsgewohnheiten in den mobilen Bereich. E-Mails? Unterwegs in der Bahn! Social Media? Beim Brunch mit Freunden im Cafe! Informationen zum aktuellen Tagesgeschehen? In der Mittagspause, natürlich mit dem Smartphone!

 

Mobile Endgeräte tragen zum Wandel von Leben und Arbeit bei, wie kaum ein anderes Medium in den vergangenen Jahrzehnten. Doch können sie auch dem Feuerwehrwesen neue Impulse bescheren? Smartphones und Tablet-PCs sind die momentanen Renner im Bereich mobiler Endgeräte. Sie verkörpern den Digital Lifestyle des erst angebrochenen neuen Jahrzehnts wie kein anderes Gerät. Dabei wird das Potential der Geräte für den professionellen Bereich bislang unterschätzt. Durch innovative und einfache Bedienkonzepte, gute Handlichkeit, Stabilität und ausgereiften technischen Eigenschaften sind sie längst nicht mehr nur zum Zeitvertreib im privaten Bereich zu gebrauchen. Wir als Feuerwehr wagen einen Blick in die Zukunft und schauen auf Ansätze und Szenarien zur Nutzung von mobilen Endgeräten.

Spielerei oder unverzichtbares einsatztaktisches Hilfsmittel?


 

Der Mobilmarkt – Ein boomendes Geschäft

Um auf die zugegebenermaßen etwas provokante Fragestellung „Spielerei oder unverzichtbares einsatztaktisches Hilfsmittel“ in der Überschrift zurückzukommen: Zumindest für den ersten Teil der Frage lässt sich festhalten, dass mobile Endgeräte und dazugehörende Dienstleistungen bei weitem keine Spielerei, sondern ein weltweiter Milliardenmarkt sind. Den Angaben des Branchenverbandes BITKOM zufolge, wurden 2010 rund 7,2 Millionen Smartphones auf dem deutschen Markt abgesetzt, der deutschlandweite Umsatz belief sich auf rund 1,6 Milliarden Euro – und ein Ende ist nicht in Sicht. Prognosen gehen davon aus, dass der Absatz im Jahr 2011 auf über 10 Millionen Geräte und der Umsatz auf 2,2 Milliarden Euro steigen werden. Doch damit nicht genug: Allein mit dem Herunterladen von Applikationen generierten die Anbieter im vergangenen Jahr einen Umsatz von 357 Millionen Euro, über 900 Millionen Anwendungen fanden den Weg auf mobile Endgeräte. Wohlgemerkt beziehen sich auch diese Zahlen nur auf den deutschen Markt, andere Märkte wie beispielsweise der US-Markt sind nicht berücksichtigt.

 

Mobile Betriebssysteme – iOS, Android, Windows Phone & Co.

Betrachtet man den Smartphone- und Tablet-PC-Markt kommt man an dem Namen Apple nur schwer vorbei. Trotz strikter Vertriebspolitik und bestens „abgeschirmtem“ Ökosystem, muss man Apple zugutehalten, viel für das öffentliche Interesse rund um Smartphones und Tablets getan zu haben. Meterlange Schlangen von Wartenden vor dem Apple Store, die darauf drängten, ein iPhone bzw. iPad zu erhalten, sorgten auch außerhalb der klassischen Zielgruppe für Aufmerksamkeit. Apples Betriebssystem iOS ist ausschließlich für Apple-Endgeräte konzipiert, man setzt dabei auf die Verschmelzung von Hardware, Firmware, Software und Dienstleistungen. Dabei gibt es mit Google und dessen Android-Betriebssystem einen ambitionierten Mitbewerber, der Apple das Leben schwer machen möchte. Gerade Android hat 2010 die größten Zuwächse bei den mobilen Betriebssystemen zu verzeichnen. Google selbst, sowie Entwickler und die dahinterstehende Community tun alles, um die Plattform voranzutreiben und sie am Markt zu etablieren. Als dritte treibende Kraft arbeiten Hewlett Packard und Palm seit 2010 zusammen. Beide setzen dabei auf Synergieeffekte. HP soll dem eher erfolgsschwachen Betriebssystem webOS durch potente Hardware auf die Beine helfen und vorrangig Apples iPad ins Visier nehmen. Und dann wären da noch Nokia und Microsoft. Trotz des mit Symbian momentan höchsten Marktanteils bei mobilen Betriebssystemen, verkündete Nokia vor kurzem, dass man mit Microsoft in der Smartphone-Sparte kooperieren werde. Microsoft kann dies gerade recht sein, denn auch mit Windows Mobile konnte die Redmonder Softwareschmiede keinen großen Erfolg im Mobilmarkt vorweisen. Das neue Betriebssystem Windows Phone 7 ist trotz guter Ansätze eher verhalten gestartet. Es soll also eine Kooperation werden, aus der nach eigenen Aussagen nur Gewinner hervorgehen und mit der ein dritter bzw. vierter, wenn man HP noch miteinbezieht, Global Player neben Apple und Google entstehen soll.

 

Die Feuerwehr als Early Adopter?

Wir würden trotz des momentanen Hypes behaupten, dass die Anzahl der Feuerwehren, die ein entsprechendes mobiles Endgerät produktiv zur Einsatzplanung und -steuerung nutzen, noch relativ gering ist. Große Berufs- und Werkfeuerwehren mal ausgenommen. Mit der Wahl eines mobilen Endgeräts und damit der Wahl des Betriebssystems, holt man sich auch gleichzeitig unterschiedliche Firmen-Philosophien ins (Feuerwehr-) Haus. Apple, die Perfektionisten, die auf ein geschlossenes Ökosystem mit einhundertprozentiger Funktionsgarantie und durchdachtem Bedienkonzept setzen – wenn man sich auf Apples „Spielregeln“ einlässt. Google mit dem Open-Source-Ansatz und einer regen Community sowie vielen kostenfreien Applikationen und Nokia/Microsoft, die voraussichtlich erst 2012 als dritter im Bunde mit neuen Features den Markt erobern möchten. Oder gibt man einem vermeintlichen Außenseiter den Vorzug? Die Auswahl ist unübersichtlich, wie könnte man also innerhalb der Feuerwehr die Sache angehen? Es wird am Ende wichtig sein, sich Prioritäten zu setzen. Das heißt, genau abzuwägen, für welchen Anwendungszweck, das Gerät dienen soll. Welche Prozesse gibt es innerhalb der Feuerwehr? Gibt es überhaupt einen benennbaren Bedarf? Die Plattform, die die Prioritäten am besten erfüllt, kann den Zuschlag erhalten, sofern die Hardware ebenfalls die Anforderungen erfüllt. Wird die Entscheidung nicht richtig bedacht, verkommt das Gerät zu einer teuren Anschaffung, die dann in MTW und ELW mitfährt und dort vermutlich verstaubt, weil kein Bedarf dafür vorhanden ist. Was dann bleibt, ist einzig die Erkenntnis, eine absolut „stylische“ und dem Trend folgende Feuerwehr zu sein, die das Gerät zwar nicht nutzt, aufgrund der Anschaffung aber trotzdem auf der momentanen Lifestyle-Welle mitreitet.

 

Usability – Der Swoosh- und Swish-Effekt

Ein „klobiges“ Notebook als Hilfsmittel für den Einsatzleiter oder Gruppenführer? Kaum vorstellbar! Zumindest nicht, wenn Mobilität gefragt ist. Wobei man differenzieren muss: Ja, wenn es stationär in einem ELW eingesetzt wird. Nein, wenn der Mobilität höchste Priorität eingeräumt wird. Einsätze sind dynamisch, keiner gleicht dem anderen. Einsatzleiter, Zugführer und Gruppenführer müssen mobil sein, Informationen austauschen, sprich, sie haben nicht viele Ressourcen übrig, um sich auf das Hochfahren oder Transportieren eines Notebooks zu konzentrieren. Da liegen die Vorteile der Tablets auf der Hand. Die Geräte sind sozusagen ohne Bootzeit immer betriebsbereit und bieten durch eine Akkulaufzeit von über 10 Stunden – bei geringer Nutzung auch bis zu einem Tag - auch für längere Einsätze optimale Einsatzbedingungen, ohne sich über eine Stromversorgung Gedanken machen zu müssen.

 

Da die Feinfühligkeit und das Fingerspitzengefühl mit dem Tragen von Feuerwehr-Handschuhen nachlassen wird es schwieriger, mobile Endgeräte präzise zu bedienen. Bei berührungsempfindlichen Bildschirmen kommt noch ein weiteres Problem dazu: Fast alle Modelle reagieren nicht, wenn sie mit Handschuhen bedient werden sollen. Berührungsempfindliche Bildschirme sind für ihre Funktion auf kleine elektronische Ströme, die durch den Finger fließen, angewiesen. Feuerwehrhandschuhe leiten diese Ströme allerdings nicht weiter. Zwar haben sich kreative Firmen einen neuen Zubehörzweig erschlossen und kapazitive Handschuhe auf den Markt gebracht, dies hilft aber gerade im Feuerwehrwesen, in dem auch immer sicherheitsrelevante und rechtliche Vorschriften beachtet werden müssen, nur bedingt weiter. Ein Tablet mit Stift-Eingabe kann hier Abhilfe schaffen.

 

Zur Navigation und zum Touch-Bedienprinzip bleibt festzuhalten, dass große Schaltflächen und klare Layouts die problemlose Bedienung fördern. Das Ziel der Navigation muss sein, mit der kleinstmöglichen Anzahl an Zwischenschritten in kürzester Zeit Informationen abrufen zu können. Die Informationen können dabei unterschiedlicher Art sein: Lagepläne von Gebäuden und Betriebsgeländen, technische Daten zu Anlagen und Maschinen, Hinweise zu Gefahrstoffen oder Rettungsdatenblätter für bestimmte Fahrzeugmodelle sein – alles wäre denkbar.

Es gibt bislang wenig Usability-Studien oder Use-Cases für Feuerwehren, aus der persönlichen Erfahrung heraus lässt sich jedoch sagen, dass Smartphones und Tablet-PCs eine angenehme Größe besitzen und problemlos in der Hand gehalten werden können. Tablet-PCs haben gegenüber Smartphones den weiteren Vorteil des größeren Displays. So setzen die meisten Geräte auf ein berührungsempfindliches Display mit LED-Hintergrundbeleuchtung und einer Größe von 7 bis 11 Zoll, was Auflösungen von 1024x768, 1024x600 oder auch 1280x800 ermöglicht.

 

Bleibt noch die Tatsache, dass die meisten Geräte auf dem Markt rauere Umgebungsbedingungen vermutlich zwar wegstecken können, im Falle eines Aufpralls auf dem Erdboden aber dann doch den Dienst quittieren. Speziell auf Robustheit ausgelegte Notebooks gab es in der Vergangenheit schon, vielleicht erreicht dieser Trend auch die momentan noch eher auf eine schicke Präsentation ausgelegten Smartphones und Tablet-PCs. Das heißt, die Geräte sollten mit dem Umfeld der Feuerwehr (Hitze, Feuchtigkeit, Erschütterungen) umgehen können und auch bei Umgebungstemperaturen unter minus 10 und über plus 40 Grad Celsius funktionieren. Ein Angebot hierzu liefert die Firma Acturion Datasys, die robuste Geräte speziell für den Einsatz bei Feuerwehr und Rettungsdienst anbietet und gleichzeitig Case Studies diverser Feuerwehren aus den USA, den Niederlanden und Finnland liefert.

 

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