24.09.2010 – Einsatztaktik und Strahlrohrtraining


  • Strahlrohrtraining am 21.9.2010

Wie Rauchgasdurchzündungen beherrschbar werden

 

Rauchgasdurchzündungen bergen für Feuerwehren hohe Gefahren. Das plötzliche Durchzünden von Pyrolysegasen, die bei der Zersetzung von Stoffen durch Hitzeeinwirkung entstehen, stellt ein unkontrolliertes Risiko für einen Atemschutztrupp im Innenangriff dar. Um diesem Risiko entgegenzuwirken, werden die Mitglieder der Feuerwehr Oberkochen auch verstärkt im Bereich Roll-Over-, Flash-Over- und Strahlrohrtraining geschult. Bereits zweimal besuchte die Feuerwehr Oberkochen ein Tagestraining auf einer Brandbekämpfungsanlage und auch in den regulären Übungsabenden werden die Kenntnisse aufgefrischt und erweitert. Christian Göttlich, Heißausbilder bei IFRT in Külsheim, führte durch einen interessanten Abend - eine Zusammenfassung.

 

Pyrolysegase entstehen, wenn feste, flüssige oder gasförmige Stoffe erhitzt werden und dadurch brennbare Gase absondern. Aus komplexen Verbindungen bilden sich bei diesem Vorgang neue und kleinere Molekülstrukturen. Die abgesonderten Gase steigen nach oben und verteilen sich an der Raumdecke während sie von unten weiterhin durch die Flammen erhitzt werden. Sichtbar wird dieser Effekt an einer gelb-weißen Färbung des Rauchs. Ist die Zündtemperatur erreicht, kommt es zu einer Rauchgasdurchzündung, auf die in der Regel ein Vollbrand folgt. Der hierbei wiederum entstehende Rauch füllt geschlossene Räume vollständig und verdrängt den noch vorhandenen Sauerstoff. Die Folge: Es entsteht brennbares Kohlenmonooxid, das zusammen mit frisch zugeführtem Sauerstoff zu einer Rauchgasexplosion führt.

 

Eine günstige und praktikable Möglichkeit, diesen Effekt im Rahmen eines Übungsabends zu demonstrieren sind meist aus Holz hergestellte Puppenhäuser, im Englischen Dolls House genannt. Mit diesen "Brandräumen" im Miniaturformat lässt sich eine Rauchgasdurchzündung einfach nachstellen. In erster Linie geht es für die Mitglieder von Feuerwehren darum, sich die Wechselwirkungen und die daraus entstehenden Effekte bewusst zu machen und im Einsatzfall zu bedenken. Doch wie betritt ein Atemschutztrupp einen Raum, bei dem eine Rauchgasdurchzündung vermutet wird? Auch hierzu hatte Christian Göttlich die passende Antwort parat. Der Ablauf ist simpel und einprägsam aber dennoch effektiv. Wärmeprüfung an der Außenseite der Tür, zum Beispiel mit dem Handrücken, Tür kurz öffnen, zielgerichtete Sprühstöße in die heiße Rauchschicht, Tür schließen, etwa 3 Sekunden warten, dann Vorrücken in den Brandraum.

 

Zum Abschluss des Abends wurde die richtige Handhabung von Hohlstrahlrohren samt richtigem Vorrücken im Seitenkriechgang gelernt. Ein Vorteil des Seitenkriechgangs ist zum Beispiel die schnelle Durchführbarkeit von Lastwechseln. Ein Trupp bewegt sich in einem Brandraum vor und führt so genannte Temperaturchecks durch. Diese Checks sind notwendig, um festzustellen, wie heiß bzw. thermisch aufbereitet die Rauchschicht in Deckennähe ist. Mit dem Hohlstrahlrohr wird dazu Sprühnebel in die Rauchschicht an der Zimmerdecke eingebracht. Verdampft das Wasser, ist die Rauchschicht heiß, was auf eine Durchzündung hindeutet, kommt Wasser zurück, ist die Rauchschicht bereits abgekühlt.

 

Im Falle einer Durchzündung sollte diese professionell geblockt werden. Der Trupp begibt sich hierbei in Seitenlage, baut eine Wasserwand in Form von Sprühnebel auf und blockt somit die drohende Gefahr.

 

Das Strahlrohrtraining ist eine gute Möglichkeit, um die Kenntnisse im Bereich Atemschutz und Einsatztaktik aufzufrischen. Sind Feuerwehrangehörige auf eine Rauchgasdurchzündung im Einsatzfall vorbereitet, können sie sich effektiv vor und in einem Brandraum bewegen und das Risiko einer Verletzung minimieren.