01.05.2010 - Atemschutzausbildung bei der Feuerwehr


Vom Eignungstest zum routinierten Atemschutzgeräteträger

 

Nicht erst seit dem Atemschutzunfall in Tübingen, der im Dezember 2005 bundesweit für Aufsehen sorgte, ist die Atemschutzausbildung bei vielen Feuerwehren ein sensibles Thema. Damals kamen zwei Feuerwehrkameraden während eines Einsatzes unter Atemschutz im Innenangriff ums Leben. Der im Jahre 2006 veröffentlichte Unfallbericht legt offen, was damals alles schief gelaufen ist. Führungskräfte, Atemschutzausbilder und Atemschutzgeräteträger konnten gleichermaßen aus dem Unfallbericht Rückschlüsse ziehen, wie sich Unfälle wie in Tübingen zukünftig vermeiden lassen. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, welche Stationen ein Feuerwehrangehöriger in seiner Atemschutzlaufbahn durchläuft und worauf es bei der Ausbildung ankommt.

 

Gesundheitliche Eignung - G26

Atemschutzgeräteträger müssen während ihres Einsatzes vor allem eines sein: Gesundheitlich fit. Je nach Ausrüstung trägt ein Feuerwehrangehöriger rund 5 bis 10 Kilogramm zusätzliches Gewicht bei einem Atemschutzeinsatz mit sich. Die hierfür erforderliche arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach Standard G26-3 – feuerwehrintern oft auch nur „G26“ genannt – erbringen Feuerwehrangehörige in fest vorgegebenen Zeitintervallen von drei Jahren, bei über 50-jährigen Mitgliedern zwischen einem und zwei Jahren. Bei dieser Untersuchung wird festgestellt, ob das Tragen eines Atemschutzgeräts für den Feuerwehrangehörigen noch zumutbar ist oder ob er dadurch seine Gesundheit schädigen kann. Die Belastbarkeit von Herz, Kreislauf und Atmung sind einige Parameter, die während dieser Untersuchung geprüft werden. Ebenso wird ein Belastungs-EKG durchgeführt.

 

Atemschutzlehrgang

Grundlage für die Atemschutzausbildung bei der Feuerwehr bildet die Dienstvorschrift 7. In ihr geregelt sind alle Inhalte zur Atemschutzaus- und -weiterbildung. Bevor Feuerwehrangehörige ein Atemschutzgerät tragen dürfen, müssen sie zunächst einen Atemschutzlehrgang absolvieren. Ziel der Ausbildung ist die Befähigung zum Einsatz unter Atemschutz. Bei der Aus- und Fortbildung sollen sich die Einsatzkräfte an die mit dem Tragen von Atemschutzgeräten verbundenen erschwerten Einsatzbedingungen gewöhnen. Das heißt, sich gemäß den Einsatzgrundsätzen richtig verhalten und die Geräte fehlerfrei handhaben können, denn jeder Atemschutzgeräteträger ist für seine Sicherheit eigenverantwortlich. Im Einsatzfall darf es beim Anlegen des Atemschutzgerätes nicht zu Unstimmigkeiten kommen, hier zählt jede Sekunde. Entsprechende Lehrgänge finden in regelmäßigen Abständen auf Kreisebene statt.

 

Besuch einer Atemschutzstrecke

Um das vorhandene Wissen zu festigen besuchen Feuerwehren eine Atemschutzstrecke, auf der eine Belastungsübung durchgeführt wird. Vereinfacht stellen Sie sich darunter einen Hindernisparcours vor, auf dem mit angelegtem Atemschutzgerät verschiedene Übungen durchgeführt werden. Dazu gehören zum Beispiel das Laufen auf einem Laufband und das Leitersteigen auf einer Endlos-Leiter. Diese beiden Aufgaben lassen sich im Einsatzfall mit einem Marsch zur Einsatzstelle und dem Absuchen eines mehrstöckigen Wohnhauses gleichsetzen. Die Strecke selbst besteht aus mehreren aneinander gereihten Containerelementen, die kriechend und unter Nullsicht durchquert werden. Während des Durchquerens muss der Feuerwehrangehörige verschiedene Hindernisse überwinden, am Ende findet eine Druckkontrolle der Atemluftflasche statt. Da Hindernisse durch die Nullsicht nur erahnt werden können, ist eine gute Absprache innerhalb eines Trupps sowie ein ausgeprägter Orientierungs- und Tastsinn von Vorteil.

 

Brandcontainer

Atemschutzeinsätze in Extremsituationen erleben Feuerwehrangehörige in Brandcontainern. Die Feuerwehr Oberkochen besuchte dazu in den Jahren 2008 und 2009 eine Übungsanlage in Külsheim im Main-Tauber-Kreis. Vorrangig werden auf dieser Anlage das Blocken von Rauchgasdurchzündungen, der Umgang mit Hohlstrahlrohren und weitere einsatztaktische Vorgehensweisen geschult. Durch den fast permanenten Einsatz unter Atemschutz erlangen die Teilnehmer allerdings auch hier mehr Sicherheit im Umgang mit den Geräten und loten die eigenen Belastungsgrenzen aus. Temperaturen von rund 800 Grad sowie der ständige Einsatz unter Atemschutz zwingen den Feuerwehrangehörigen in Extremsituationen, die viel vom Körper abverlangen.

 

Einsatzübungen

Eine weitere, an der Realität orientierte Art der Atemschutzausbildung sind Einsatzübungen. Bei diesen Übungen wird, wie der Name schon vermuten lässt, eine Übung unter Einsatzbedingungen durchgeführt. Je nach Übungsschwerpunkt findet auch der Bereich Atemschutz seine Anwendung, zum Beispiel beim Retten von verletzten Personen aus einem brennenden Gebäude oder bei einem Verkehrsunfall, bei dem das Anlegen der Atemschutzmontur erforderlich ist.

 

Atemschutzüberwachung

Auch im Bereich Dokumentation hat sich seit dem Unfall in Tübingen einiges verändert. Atemschutzgeräteträger führen eine Art „Tagebuch“, in dem sie jeden Einsatz und jede Übung, die unter Atemschutz stattgefunden hat, festhalten. Auch alle medizinischen Untersuchungen werden in diesem Heft festgehalten. Dieser Nachweis dient als eigene Kontrollfunktion, und als Beleg für die ordnungsgemäße Atemschutz-Ausbildung.

 

Die Atemschutzüberwachung während eines Einsatzes oder einer Übung findet mit Hilfe einer Kontrolltafel statt. Auf ihr notiert der für die Atemschutzüberwachung bestimmte Feuerwehrangehörige Daten zum Einsatz. Dazu gehören zum Beispiel Einsatzbeginn, Druck der Atemluftflasche und Namen der Atemschutzgeräteträger. So können Atemschutztrupps auch ohne Sichtkontakt kontrolliert werden. Eine Uhr zeigt dem Kontrolleur an, wie lange sich der jeweilige Trupp bereits im Einsatz befindet.

 

Atemschutzgerätewart

Als Ansprechpartner innerhalb der Feuerwehr steht für alle Geräteträger der Atemschutzgerätewart zur Verfügung. Er kümmert sich um die ordnungsgemäße Instandhaltung und Wartung der Geräte und Masken und begleitet den Besuch auf einer Atemschutzstrecke. Von ihm können frisch ausgebildete Atemschutzgeräteträger auch einiges an Know-How erlangen, wie zum Beispiel den richtigen Umgang mit den in der Feuerwehr vorhandenen Geräten oder das Wissen zu einsatztaktischen Grundlagen.