03.09.2009 - Ausbilderlehrgang für Rauchgasdurchzündungen


Zu Besuch bei I.F.R.T. in Külsheim

 

Das International-Fire-and-Rescue-Training auf einem stillgelegten Kasernengelände in Külsheim im Main-Tauber-Kreis gehört zu Süddeutschlands größten, holzbefeuerten Heißausbildungsanlagen. Die Betreiber Björn Bäuerle und Stefan Feucht, beide Berufsfeuerwehrmänner mit Wurzeln in der Freiwilligen Feuerwehr, bieten unerfahrenen Atemschutzgeräteträgern mit dieser Anlage die Möglichkeit, unter realitätsnahen Bedingungen Brände im Innenangriff effektiv zu bekämpfen. Aber auch erfahrene Feuerwehrmitglieder können durch eine Vielzahl an Lehrgangsangeboten ihr Wissen erweitern. Das umfangreiche Seminarangebot umfasst die klassische Brandbekämpfung im Innenangriff, ein Lüftertraining, Szenarien der Technischen Hilfeleistung, einen Kurs zum Thema Absturzsicherung sowie das Training mit einer Wärmebildkamera.

 

Seit dem Frühjahr ebenfalls Ausbilder auf der Heißausbildungsanlage ist Christian Göttlich, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Oberkochen. Er nahm Ende März erfolgreich an einem 5-tägigen Lehrgang für Rauchgasdurchzündungen teil. Wir haben ihn während des Lehrgangs begleitet und ihm bei der Ausbildung über die Schulter geschaut.

 

Essenziell für jede erfolgreiche Ausbildung ist ein theoretisches Grundlagenwissen. So begann der erste Lehrgangstag mit einem Theorieunterricht, in dem die Themen Brandentwicklung, Brände in geschlossenen Räumen, Flashover, Rauchgasdurchzündung, Backdraft, sowie das Lesen des Rauches, Schutzkleidung und thermische Notfälle behandelt wurden. Nach den theoretischen Grundlagen wurde den Teilnehmern die Brandübungsanlage näher erläutert und eine Sicherheitsunterweisung durchgeführt. Am zweiten Lehrgangstag durften die angehenden Ausbilder selbst ihre Erfahrungen auf der Anlage sammeln. Wie könnte man Erfahrungen besser weitergeben, als sie selbst einmal erlebt zu haben. Auch das in der Gunst vieler Feuerwehren gestiegene Hohlstrahlrohrtraining wurde in vielen Durchgängen erprobt. Richtige Fortbewegung im Brandraum, das Durchführen von Temperaturchecks und das Blocken von Rauchgasdurchzündungen sind die wesentlichen Ausbildungsinhalte dieses Trainings. Gleichzeitig ist es möglich verschiedene Hohlstrahlrohre in der Handhabung kennen zu lernen. Nicht weniger wichtig, ist das Wissen, wie eine Rauchgasdurchzündung und ein Flashover entstehen und welche Wirkungsweise sie besitzen. Um dies an einem simplen aber sehr eingängigen Beispiel zu demonstrieren, kam ein so genanntes Dollhouse zum Einsatz. Vereinfacht ist darunter ein Gehäuse zu verstehen, das in seinem Aufbau an ein, wenn auch abstraktes Puppenhaus erinnert und in verschiedene Räume eingeteilt ist. Öffnungen an der Vorderseite und im Inneren ermöglichen die detailgetreue Simulation einer Rauchgasdurchzündung. So können den Lehrgangsteilnehmern eindrucksvoll die Brand- und Rauchverhältnisse in Gebäuden geschildert werden.

 

Am dritten Lehrgangstag fanden sich die Teilnehmer in der Rolle des Ausbilders wieder. Alle Ausbildungsstufen durften in Eigenregie moderiert und gestaltet werden. Die erfahrenen alten Hasen standen den angehenden Ausbildern jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Der letzte Lehrgangstag umfasste unter Aufsicht der Ausbilder noch einmal eine selbstständige Ausbildung im RDA-Container.

 

Christian Göttlich und seine Kollegen schlossen diesen Lehrgang allesamt erfolgreich ab. Björn Bäuerle und Stefan Feucht zeigten sich mit ihren Schützlingen sehr zufrieden: „Wir haben uns sehr gefreut, eine so motivierte und engagierte Gruppe bei uns ausbilden zu dürfen und möchten uns hiermit bei allen Teilnehmern bedanken.“ Das Ziel ist nun, die erworbenen Kenntnisse innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Oberkochen umzusetzen und die Mannschaft für das Thema Heißausbildung zu sensibilisieren. Mit dem erworbenen Know-how ist der Grundstein dafür gelegt. (Fotos: ©I.F.R.T.)

Im Gespräch mit: Christian Göttlich


Christian, danke, dass du dir ein paar Minuten Zeit für dieses Gespräch nimmst. Erstmal Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Lehrgang. Wie war der Lehrgang für dich?

 

Vielen Dank, der Lehrgang war sehr lehrreich und hat viel Spaß gemacht. Wir waren und sind ein super Team und konnten sehr viel von den „alten Hasen“ lernen.

 

Du bist seit geraumer Zeit in Külsheim als Ausbilder aktiv. Gibt es irgendwas, was du bei Einsätzen anders angehst als früher?

 

Allerdings. Planung ist das halbe Leben, so auch im Einsatz. Vor allem jetzt, nachdem ich in der Theorie und in der Praxis gelernt habe, welche Gefahren im Innenangriff auf einen warten können. Köpfchen einschalten und nicht überstürzt handeln heißt die Devise für den erfolgreichen und vor allem sicheren Einsatz. Das Wichtigste aber ist: Im Fall einer Rauchgasdurchzündung weiß ich jetzt, wie ich darauf reagieren muss. Ich möchte dieses Wissen natürlich an unseren Nachwuchs aber auch an die Erfahrenen unserer Wehr weitergeben. Des Weiteren habe ich gelernt im Rauch zu Lesen.

 

Im Rauch lesen? Kannst du das unseren Lesern näher erläutern?

 

Ja, das bedeutet natürlich nicht in einem verrauchten Raum Zeitung zu lesen, sondern die Gefahren des Rauches und somit das Risiko einer Durchzündung abzuschätzen und es erst gar nicht dazu kommen zu lassen.

 

Wenn man die Feuerwehren, die bislang in Külsheim an einer Ausbildung teilgenommen haben, befragt, werden vor allem die sehr gute Ausbildung und der große Praxisbezug gelobt. Wer bildet denn in Külsheim aus?

 

Das sind alles erfahrene Feuerwehrleute aus den verschiedensten Altersgruppen und Wehren. Vom Atemschutzwart über den Atemschutzausbilder bis hin zum Kommandanten ist in unserem Team alles vertreten. Somit ist es möglich, alle gesammelten Erfahrungen miteinander zu kombinieren und die besten Tipps und Ratschläge an die Teilnehmer weiterzugeben.

 

In wie weit profitiert die Feuerwehr in Oberkochen von diesem Know-how?

 

In Zukunft werden wir eine Art Seminar einführen, welches gezielt auf den Einsatz unter Atemschutz eingeht. Ziel ist es, Absuchmethoden, Orientierung, die richtige Fortbewegungsmethode unter Nullsicht, Strahlrohrtraining und die richtige Kommunikation zwischen Angriffstrupp und Gruppenführer an den Atemschutzträger weiterzugeben. Denn umso routinierter der Umgang mit der Atemschutzflasche ist - also auch das Anlegen während der Fahrt - desto sicherer und ruhiger geht der Feuerwehrmann im Ernstfall an die Sache ran.

 

Du übst den Job in Külsheim zusätzlich zu deiner normalen Arbeit aus. Das heißt Wochenende Külsheim, unter der Woche Oberkochen. Stell’ ich mir sehr stressig vor!

 

<lacht> Nein, das ist nicht weiter schlimm, da mir der Job in Külsheim sehr viel Spaß macht und ich es nicht wirklich als Arbeit sehe. Außerdem sind wir mittlerweile ein größeres Team, sodass ich nicht jede Woche Dienst habe.

 

Welchen Stellenwert räumst du der Heißausbildung verglichen mit anderen feuerwehrtechnischen Themen ein?

 

Einen hohen Stellenwert, da man nie genau weiß, was einen erwartet wenn der Alarm eingeht. Mann muss immer vom Schlimmsten ausgehen, bis die Lage geklärt ist und wie manche vielleicht wissen, ist die Gefahr einer Rauchgasdurchzündung bei Bränden in geschlossenen Räumen in den ersten zwölf Minuten am größten. Also genau die Zeit, die wir brauchen, bis wir an der Einsatzstelle als Atemschutztrupp anfangen zu arbeiten. Klar, Gefahren lauern auch bei der Technischen Hilfe, doch da hat man eben noch ein paar Kameradinnen und Kameraden um sich herum, wenn man mal kurz nicht weiter weiß. Im Innenangriff jedoch ist kein Gruppenführer und kein Zugführer zur Stelle, man ist auf sich allein gestellt. Und von eben diesem Trupp hängt es ab, wie schnell eine vermisste Person gefunden und/oder das Feuer bekämpft wird. An dieser Stelle ein Fehler kann fatale Folgen für den Trupp aber auch für andere Kameraden haben.

 

Zurück zu deiner Heimatwehr. Deine Kameradinnen und Kameraden aus Oberkochen waren bereits zweimal auf der Anlage. Wie war die Resonanz bei den Atemschutzgeräteträgern?

 

Meine Kameradinnen und Kameraden aus meiner Heimatwehr haben sich wacker geschlagen. Auch wenn der bzw. die ein oder andere schon vorab bei uns ein Strahlrohrtraining oder kleinere Demonstrationen an FO-Boxen mitgemacht haben, denke ich, dass es für jeden sehr interessant war, viele eine Menge dazu gelernt haben und Spaß bei uns hatten. Ich hoffe wir dürfen die gesamte Wehr auch dieses Jahr und noch viele weitere Male bei uns in Külsheim begrüßen. Man lernt nie aus und I.F.R.T bietet auch noch viele weitere interessante und nicht weniger wichtige Lehrgänge an.

 

War das jetzt zum Schluss Schleichwerbung?

 

Nein, das war offensichtlich! ;-)

 

OK. ;-)

 

Christian, wir danken dir für das Gespräch und wünschen dir weiterhin eine gute Zeit.

 

Ich habe zu danken.